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Lost Souls – Verlorene Seelen

Lost Souls. USA 2000. R: Janusz Kaminski. B: Pierce Gardner. K: Mauro Fiore. S: Anne Goursaud, Andrew Mondshein. M: Jan A.P. Kaczmarek. P: Prufrock Pictures. D: Winona Ryder, Ben Chaplin, John Hurt, Philip Baker Hall, Elias Koteas, Sarah Wynter u.a.
100 Min. Kinowelt ab 18.1.01

Einfühlsamer Horrorthriller

Von Carsten Happe Ein Geheimnis umweht Maya Larkin. Gedankenverloren beobachtet die junge Frau die Kinder auf dem Spielplatz, ihr Blick bleibt teilnahmslos. Die Augen als Spiegelbild der Seele: Immer wieder fährt die Kamera ganz nah an ihre Augen heran, in der Hoffnung, ihr Innerstes wahrzunehmen, ihr Geheimnis zu dechiffrieren, doch nichts dringt an die Oberfläche.

Nur langsam, sehr langsam erfährt man etwas über diese in sich gekehrte Frau, die Teufelsaustreibung, der sie sich unterziehen mußte, ihre Besessenheit, anderen Menschen in ähnlicher Situation zu helfen, auf der Suche nach einer Katharsis. Auf der anderen Seite der erfolgreiche True-Crime-Autor Peter Kelson: mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehend, rational und auf der Suche nach Erklärungen für die grausamsten Verbrechen.

Besorgniserregende Visionen einen die konträren Charaktere, seltsame Träume, die Maya von der baldigen Ankunft des Teufels überzeugen, Peter jedoch völlig ratlos zurücklassen. Bis die Zeichen nicht mehr zu ignorieren sind: An seinem 33. Geburtstag wird der Antichrist von ihm Besitz ergreifen. Einzig Maya glaubt ihm, steht ihm bei, doch kann sie ihn retten, sich selbst erlösen…?

Ein apokalyptisches Effektspektakel ist von Lost Souls nicht zu erwarten, dem Teufel wird nicht wie in End of Days mit Pyrotechnik zu Leibe gerückt; auch die gängige Exorzismus-Vorstellung von Linda Blair, Kruzifixen und Erbsensuppe sollte man schnell verwerfen. Das Regiedebüt des ehemaligen Spielberg-Kameramanns Janusz Kaminski, Oscar-Preisträger für Schindlers Liste und Der Soldat James Ryan, bleibt in dieser Hinsicht sehr zurückhaltend und besticht über weite Strecken durch eine realistische Annäherung an das Thema.

Mögen auch Trailer und Werbebotschaften ein anderes Tempo und eine reißerischere Auseinandersetzung vorgaukeln, Kaminski und Drehbuchautor Pierce Gardner geben ihren Figuren Zeit und Raum sich zu entfalten, beschwören eine dichte, einnehmende Atmosphäre herauf. Insbesondere die exzellente Kameraführung und die sorgfältige Lichtsetzung haben entscheidenden Anteil an der stimmigen Psychologie. Ebenso gibt die in ihrer Rollenauswahl zuletzt etwas unglückliche Winona Ryder dem Film mit ihrer Darstellung der Maya Larkin sowohl Verletzlichkeit als auch Stärke. Mögen ihre Augen auch keinen Einblick in ihre Seele gewähren, sie sind – man betrachte das Filmplakat – Zugang zu einem einfühlsamen Horrorthriller. 1970-01-01 01:00
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