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Lost Children

D 2005. R,B,S: Ali Samadi Ahadi. R,B: Oliver Stoltz. K: Maik Behres. M: Ali N. Askin. P: Dreamer Joint Venture.
103 Min. timebandits film ab 3.11.05

Leiser Protest

Von Franziska Nössig Der Krieg im Norden Ugandas zwischen Regierungstruppen und Rebellen der Lord's Resistance Army währt inzwischen seit Jahrzehnten. Für die internationalen Medien hat er an Nachrichtenwert verloren und taucht somit nur noch selten in Berichten auf. Dabei ist er einer der grausamsten modernen Kriege, da die Kämpfer auf Seiten der Rebellen Kinder sind.

Oliver Stoltz und Ali Samadi Ahadi richten in Lost Children ihr Augenmerk auf vier solcher Kindersoldaten, die aus der LRA flohen und nun in einem eigens für diese Kinder eingerichteten Caritas-Heim untergebracht sind. In Gesprächen mit Sozialarbeitern des Heims nähern sich die Kinder ihrer eigenen militärischen Vergangenheit und erzählen von der Entführung durch die Rebellen, den Mißhandlungen und der »Ausbildung« zum Töten. Den Zuschauer packt bei einigen Szenen unbeschreibliches Grauen und Wut, und es spricht für den Film, daß er neben sehr nüchternen Einstellungen auch solche (Archiv-)Bilder zeigt und damit die Erlebnisse der Kinder unterstreicht. Doch er läßt sich nie auf ein Emotionen heischendes Niveau herab, das den Film zu einem Bilderbuch der Grausamkeiten degradieren würde. Auch die Kamera ist um Ausgleich bemüht und changiert besonders während der Gespräche behutsam zwischen Nähe und Distanz.

Dieser sorgfältig beobachtende Film ist ein leiser, aber deutlicher Protest. Die ehemaligen Kindersoldaten sind verloren im Niemandsland. Dem Terror des Militärs entflohen, versuchen sie, wieder in ihren Familien Halt zu finden. Doch dort sind sie den Anfeindungen der eigenen Eltern und der Nachbarn ausgesetzt, die ihnen die Schuld an ihrem Unglück geben. Plötzlich lockt das grausame, aber freie Leben bei den Rebellen. Der erwachsene Zuschauer wundert sich, aber es übersteigt seine Vorstellungskraft, sich die Erlebnisse der Kinder auszumalen. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #40.
© 2012, Schnitt Online

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