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Long Hello And Short Goodbye

D 1999. R: Rainer Kaufmann. B: Jeff Vintar, Martin Rauhaus. K: Klaus Eichhammer. S: Ueli Christen. M: Fetisch & Meister. D: Nicolette Krebitz, Marc Hosemann, Axel Milberg, Sunnyi Melles, Hannelore Hoger, Katja Riemann u.a.
103 Min. Warner ab 15.7.99
Von Werner Gerhards In Long Hello & Short Goodbye hat sich das eigentliche Drama, der Verlust von Grundvertrauen und Würde, wie im Genre-Kino üblich, lange vor dem Beginn der Filmerzählung zugetragen. Helden und Gegenspieler sind unbehaust, getrieben und gejagt. Sie sind unendlich verletzt, und oft wollen sie nur noch Rache und Erlösung. Und so gehen sie, wie etwa im Film noir oder im Western, sehenden Auges in ihren Untergang. Die Figuren in Rainer Kaufmanns neuem Film um eine Polizistin, die sich in den zu beschattenden Gangster verliebt und damit ein rastloses Katz- und-Mausspiel auslöst, handeln bisweilen nach diesem Muster.

Weil Long Hello & Short Goodbye reines, schlankes Genre-Kino sein will, sind die Figuren typisiert und die Sprache stilisiert. Auch können es sich Drehbuch und Regie erlauben, äußere Wirklichkeiten, soziale oder politische, vollkommen auszublenden und die Narration eng zu führen. Kaufmann geht erneut in die Innenmotive, um sich auf seine Figuren zu konzentrieren. Außenwelten kommen nur noch als absurde visuelle Gags vor, bilden aber keinen wirklichen, erfahrbaren Hintergrund für die Geschichte mehr.

Spannend zu beobachten ist, wie Kaufmann das Scope-Format nutzt, um seine Figuren in diesen Innenmotiven zu choreographieren (mit dieser Konsequenz vermag dies im aktuellen deutschen Kino nur noch Dani Levy). Oft bewegen sich Schauspieler an den Bildgrenzen; häufig schieben sich Einrichtungsgegenstände zwischen Kameraobjektiv und Filmfigur, so daß eine Orientierung im Raum schwerfällt. Möglicherweise hat er das von Joseph Losey oder Sergio Leone gelernt. Überhaupt macht es Kaufmann riesigen Spaß, auf Regie-Kollegen zu verweisen: Genre-Kino ist eben auch immer Zitatenkino. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #15.
© 2012, Schnitt Online

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