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Lonely Hearts Killers

Lonely Hearts. USA 2006. R,B: Todd Robinson. K: Mark Kohl, Peter Levy. S: Kathryn Himoff. M: Mychael Danna. P: Millennium, Emmett/Furla, Equity. D: John Travolta, James Gandolfini, Salma Hayek, Jared Leto, Laura Dern u.a.
108 Min. 3L ab 22.2.07

…bis daß der Tod Euch scheidet

Von Mary Keiser Wenn Großmütterchen einem, schamlos ihr Alter ausnutzend, den Einkaufswagen mit voller Wucht in die Hacken rammt, oder die Frau vom Amt trotz gähnender Leere auf den Fluren partout darauf besteht, daß man eine Nummer zieht, dann ist man meist in der richtigen Stimmung für einen Serienkillerfilm. Geschichten von mordenden Soziopathenpärchen eignen sich besonders gut zum Abreagieren, weil es eine romantische Vorstellung ist, die Rache an der Menschheit mit jemandem zu teilen. Bonnie und Clyde und ihre zahlreichen Inkarnationen sind tragische Helden, die sämtliche gesetzlichen und moralischen Grenzen sprengen, sich eben trauen, wovon Schlechtgelaunte nur träumen.

Todd Robinson, Enkel des realen Cops, der in den 40ern mit dem Fall der Lonely Hearts Killers betraut war, stürzt die strahlenden Bösewichte von ihrem Sockel. Sobald Raymond die unter dem Toupé verborgenen Geheimratsecken und Martha ihre klammernde Eifersucht entblößt, geben sie als Ideale der Gewissenlosigkeit nicht mehr viel her. Die beiden springen nicht mit lautem Gebrüll in den Abgrund, sondern schlittern eher vergeblich nach Halt suchend der Talsohle entgegen. Selbst ihren Sonderstatus als soziales Opfer büßen sie ein, indem gleich zu Anfang das Augenmerk auf den psychisch labilen Elmer Robinson gelenkt wird, der den Selbstmord seiner Frau zu verkraften hat. Dabei kann man dem Regisseur gar nicht genug danken, daß er uns die obligatorischen kitschigen Rückblenden erspart hat. Auch verzichtet er auf die üblichen nostalgischen Topoi des Film noir zugunsten eines angenehm unaufdringlichen, fast schon dokumentarischen Stils.

Vielleicht etwas zu trocken, um wirklich zu ergreifen, paßt diese Erzählweise doch zum Dargestellten. Wo man hinsieht, gibt es nur emotionale Krüppel. Das grausame Morden präsentiert sich als Konsequenz der puritanischen Verklemmtheit und dem daraus resultierenden Mythos der einzig wahren, vom Schicksal vorherbestimmten Liebe. Man trifft nur einmal den »Richtigen«, den man in logischer Konsequenz um jeden Preis halten muß, wie Martha noch auf dem elektrischen Stuhl bekräftigt: »Nothing comes between us«. Der Kreis schließt sich, da es auch genau dieser immense moralische Druck ist, der Robinson verbietet, nach dem Tod seiner Frau mit einer anderen glücklich zu werden. Eine runde Sache also. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #45.
© 2012, Schnitt Online

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