Von Nikolaj Nikitin
Wenn der engagierte Filmjournalist im sechsten Film des vierten Berlinaletages sitzt, ist die Rezeptionshaltung eher verhalten. Das Problem ist, daß, egal wie schlecht der Film ist, das »Delphi« fast immer so voll ist, daß man gar nicht mehr rauskommt – man ist gefangen und wird von einem derart miesen Film gequält, daß man nicht einmal einschlafen kann.
Denn man will einfach nicht glauben, daß ein Film derart dreckig sein kann, doch dem ist so. Alles nur scheiße, so richtig scheiße: die Story, die Kamera, die Schauspieler (auch wenn Druglady Béatrice Dalle mitwürgt) und vor allem die Mucke. Irgendsoein Unschuldslamm wird in die Technoszene gezogen. In der Hoffung, daß es nicht so nervig weitergehen kann, bleibt man doch sitzen, um nach Ablauf des Films Freunden zuzustimmen, daß es in Berlin wahrlich andere Filme verdient hätten, einen Verleih zu finden (»mehr« will ich gar nicht schreiben).
1970-01-01 01:00