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Live Flesh – Mit Haut und Haar

Live Flesh. E/F 1997. R,B: Pedro Almodóvar. K: Affonso Beato. S: José Salcedo. M: Alberto Iglesias. D: Liberto Rabal, Javier Bardem, Francesca Neri, Ángela Molina, José Sancho, Penélope Cruz u.a.
100 Min. prokino / FPV ab 7.5.98
Von Antje Krumm Januar 1970, das faschistische Regime hat eine Ausgangssperre in Madrid verhängt, als bei der Prostituierten Isabel die Wehen einsetzen. Auf dem Weg ins Krankenhaus wird Víctor in einem Linienbus geboren, weshalb ihm die Verkehrsbetriebe einen Freifahrschein auf Lebenszeit spendieren.

So fährt Víctor zwanzig Jahre später in einem Bus ziellos durch die Stadt, nachdem ihm Elena, mit der er erstmals Sex hatte, telefonisch eine Abfuhr erteilt: Die Drogensüchtige erinnert sich nur vage an die schnelle Nummer auf dem Klo. Zufällig entdeckt Víctor sie am Fenster. In ihrer Wohnung taucht plötzlich eine Waffe auf – und als eine Streife hereinplatzt, entsteht ein Handgemenge zwischen Víctor und dem Polizisten Sancho, der von seiner Frau Clara betrogen wird. Ein Schuß löst sich und trifft Cop David. An den Rollstuhl gefesselt, steigt David zum Basketball-Star der Paralympics '92 in Barcelona auf, und mit Elena hat er an jenem Abend seine große Liebe gefunden.

Nach Víctors Freilassung aus dem Gefängnis hat dieser nur ein Ziel: Er plant, der beste Liebhaber aller Zeiten zu werden, Elena zu verführen und sich danach nie wieder bei ihr zu melden – und ausgerechnet Sanchos Frau Clara wird seine Lehrmeisterin…

Erneut beweist Almodóvar sein Gespür für meisterhaftes Timing, doch vor allem die Figuren machen Live Flesh zu einem runden Stück Kino. Zugunsten der warmen, stets nachvollziehbaren Beobachtung scheinen die obligatorischen skurrilen Einfälle zurückgenommen. Almodóvar fügt Elemente des Thrillers mit dramatischer Tragik, feinem Humor und sinnlicher Erotik in einem brillanten Film zusammen, dessen Sogwirkung bis zum überzeugenden Finale nie nachläßt. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #10.
© 2012, Schnitt Online

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