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Little Senegal

F/D/ALG 2001. R,B: Rachid Bouchareb. B: Oliver Lorelle. K: Benoît Chamaillard, Youcef Sahraoui. S: Sandrine Deegen. M: Safy Boutella. P: Taunus u.a. D: Sotigui Kouyate, Sharon Hope, Roschdy Zem, Karim Koussein Traore, Adetoto Makinde u.a.
98 Min. Alamode Film ab 4.7.02
Von Thilo Wydra Alloune ist ein alter Mann. Er lebt in Gorée im Senegal und führt Touristen durch das Sklavenmuseum, erzählt von damals, von einem Leben in Ketten. Und die Touristen lauschen und knipsen. Eines Tages entscheidet sich Alloune, sich auf die Spuren seiner Vorfahren zu begeben, und reist nach Amerika, wo vor 200 Jahren alles begann. Erst zu den Plantagen der Südstaaten, dann nach New York, nach Little Senegal, dem Afro-Viertel Harlems.

Nach kurzer Zeit schon begegnet er Ida, einer Cousine, die einen Zeitungskiosk betreibt und von ihrer Vergangenheit und der Geschichte ihrer Familie nichts weiß. Auch ahnt sie nicht, daß sie mit Alloune verwandt ist. Zwischen den beiden wächst eine Freundschaft heran, die von Zärtlichkeit und Respekt geprägt ist. Irgendwie sind sie ein Paar. Irgendwie auch nicht…

Bisher hat er vor allem als Produzent gearbeitet, hat etwa den preisgekrönten, seinerzeit äußerst kontrovers diskutierten Skandalfilm L'humanité von Bruno Dumont produziert. Nach seinem Regiedebüt L'honneur de ma famille, das hierzulande lediglich auf Festivals zu sehen war, legt Rachid Bouchareb mit Little Senegal nun seinen zweiten Langfilm vor. Little Senegal erzählt von dem tagtäglichen Aufeinanderprallen verschiedener Kulturen, unterschiedlicher Weltansichten, vor allem von den Konflikten zwischen schwarzen Amerikanern und Afrikanern.

Und Alloune, dem es eine Herzensangelegenheit ist, seine Familie zusammenzuführen, steckt mittendrin, steht zwischen den Stühlen. Allen will er es recht machen, Alloune, das ist der gute Mensch von Sezuan, der Vermittler, der Verständnisvolle. Und Regisseur und Koautor Rachid Bouchareb zeichnet denn auch den inneren Konflikt Allounes durchaus nachvollziehbar nach. Doch ist sein kleiner Film über weite Strecken zu lang geraten und droht nicht selten in seiner äußerst ruhigen Narration zu erlahmen. Insbesondere jene Szenen, in denen Alloune sich auf Recherche begibt, in den Archiven nach Informationen sucht, sie sind in ihrer Inszenierung seltsam dröge und beinahe schon dokumentarisch, wirken zudem gestellt.

Little Senegal hat ein unübersehbares Anliegen, jenes des kleinen völkerverständigenden Momentes, des Blickes über Schranken hinweg, und es gibt Augenblicke in diesem Film, da vermag ihm dies auch zu gelingen. Aber es gibt zu wenige davon. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #27.
© 2012, Schnitt Online

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