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Little Nicky – Satan Junior

Little Nicky. USA 2000. R: Steven Brill. B: Tim Herlihy, Adam Sandler, Steven Brill. K: Theo Van de Sande. S: Jeff Gourson. M: Michael Dilbeck. P: Happy Madison, New Line. D: Adam Sandler, Harvey Keitel, Patricia Arquette, Rhys Ifans, Rodney Dangerfield, Tiny Lister, Kevin Nealon, Dana Carvey, Quentin Tarantino u.a.
90 Min. Kinowelt ab 22.2.01

Amüsantes Chaos

Von Carsten Tritt Hollywood und andere Weltuntergangspropheten haben es inzwischen oft genug wiederholt: Die 2000 Jahre des Herrn sind vorbei, nun wird sich die Hölle auftun, und der Satan wird seinen Sohn auf die Erde senden und den Kampf um die Zukunft der Menschheit führen etc. pp.

Tatsächlich ist es hier nur wenig anders: Zwei von Satans Söhnen haben sich vom Vater abgewandt und drohen nun das notwendige Gleichgewicht zwischen Gut und Böse zu zerstören. Darum schickt Satan seinen jüngsten Sohn, Little Nicky, zu den Sterblichen, um dies zu verhindern. Die Lösung des Familienkonflikts ist also ausnahmsweise von allseitigem Interesse.

Hätte man die Titelrolle mit Keanu Reeves besetzt, hätte der Stoff ohne großes Umschreiben zu einem genreüblichen Horrorknaller mit Sülzfaktor getaugt. Und darin liegt gerade die Stärke des Films. Adam Sandler und Co. schlängeln sich nicht zwanghaft von Klischee zu Klischee, wie es heute in vielen selbstreflexiven Komödien üblich ist. Vielmehr kommen die Klischees den Filmemachern durch die Verwendung eines originären Buches schon automatisch entgegen, ohne daß es irgendwann einmal krampfhaft wirken kann.

Sandler hat schon oft gezeigt, wie gut er die Gesetze der Industrie kennt, und seine Wirkung erreicht er oft dadurch, daß er die Grenze vom Üblichem zum Lächerlichen nur minimal überschreitet. Seine Gags finden sich im Detail; wenn etwa in der Hölle fliegende Tintenfische am Horizont zu sehen sind, im Himmel hingegen das Buena Vista-Schloß, ist dies nur am Rande des Bildes und auch nur in kurzen Einstellungen zu sehen. Diese Feinheiten wechseln plötzlich mit Infantilitäten und Brachialhumor, es entsteht eine unvorhersehbare, einzigartige Mischung.

Eine Mischung, die sich auch in den Darstellern widerspiegelt. So spielt Charakterakteur Harvey Keitel neben Kalauerkönig Rodney Dangerfield (»Ich habe zwar die Hölle geschaffen, aber meine Frau war eine großartige Inspiration«). Weiterhin treten auf: Quentin Tarantino, ein sprechender Hund und irgendein Footballstar, den ich als Europäer dann leider doch nicht kenne.

Little Nicky ist mit seinen verschiedenen Humoransätzen und mit seiner abstrusen Darstellermischung das pure Chaos. Insofern ist der Film nur konsequent, schließlich ist der alte Kampf zwischen Gut und Böse auch als Kampf zwischen Ordnung und Chaos gesehen worden; wenn man das Sprichwort ernst nähme, müßte man Sandler ein Genie nennen. Ein großartiger Komödiant ist er allemal, und das reicht schon aus, sich bei seinem neuesten Werk wunderbar zu amüsieren. 1970-01-01 01:00
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