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Little Miss Sunshine

USA 2005. R: Jonathan Dayton, Valerie Faris. B: Michael Arndt. K: Tim Suhrstedt. S: Pamela Martin. M: Mychael Danna, Devotchka. P: Big Beach Films, Third Gear, Deep River Prod. D: Steve Carell, Toni Collette, Greg Kinnear, Alan Arkin u.a.
101 Min. Fox ab 30.11.06

Hit the Road, Greg

Von Sascha Seiler Das Konzept des humoristischen Familien-Road-Movies ist ja eigentlich überholt und läßt an die schrecklichen Erzeugnisse der National Lampoon-Reihe in den 80ern denken, als Chevy Chase mit seiner skurrilen Sippschaft auf Entdeckungsreise ging. Erstaunlicherweise scheint sich das Spielfilmdebüt der beiden Videoclip-Regisseure Valerie Faris und Jonathan Dayton an eben diesen European- und American Vacations zu orientieren, bringt diese allerdings auf einen anderen Level.

Gerne spricht man in Zusammenhang mit dieser Art Film ja von neu erklommenen Höhen im Bereich des Independent-Kinos; jedoch, wirft man einen Blick auf die Schauspielerriege, ist der Film so Independent nun auch wieder nicht: Greg Kinnear, Toni Colette, Alan Alda und der in den USA äußerst prominente Komiker Steve Carell bilden den Kern der Familie, die sich in einem uralten VW-Bus auf die Reise von New Mexico nach Kalifornien macht, damit die ja schon recht häßliche, nicht mal 10jährige Tochter bei einem Kinderschönheitswettbewerb mitmachen kann. Die Familie ist das, was man im amerikanischen Jargon so gern als »dysfunctional« bezeichnet: Vater ist Motivationstrainer ohne Job, Mutter gestreßte Hausfrau, Opa heroinsüchtiger, notgeiler Rentner, Sohn liest Nietzsche und hat sich ein Schweigegelübde auferlegt, weil er sich beweisen will, daß er genügend mentale Stärke hat, seinen Traum, nämlich Air Force-Pilot zu werden, zu erfüllen. Und dann eben die Brillenschlange, die Schönheitskönigin werden will. Und natürlich der schwule und selbstmordgefährdete Onkel Frank, der Depressionen erleidet, weil er in der amerikanischen Proust-Forschung nur als Nummer Zwei gilt.

All diese Leute fahren also in einem nur ansatzweise funktionierenden Auto durch halb Amerika, und damit ist der Plot auch schon größtenteils erzählt. Allerdings ist diese Komödie so respektlos, so herrlich gespielt und trotz klischeehafter Settings so inspiriert und originell, daß man sie einfach gesehen haben muß. Das Finale mit dem – übrigens von echten Teilnehmern dargestellten – Kinder-Schönheitswettbewerb ist schockierend und amüsant zugleich. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #44.

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