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Die List der Frauen

Keïd Ensa. MA/CH/TN/F 1999. R,B: Farida Benylazid. K: Serge Palatsi. S: Kahéna Attia. D: Samira Akariou, Rachid El Ouali, Fatma Bensaïdane, Abderrahim Bayga, Amina Alaoui.
90 Min. Neue Visionen ab 23.9.99
Von Carsten Tritt Das Märchen Die List der Frauen, wohl ursprünglich aus Indien stammend, ist in den Mittelmeerländern weit verbreitet, in verschiedenen Variationen. Erzählt wird die Geschichte einer Frau, der Tochter eines Tuchhändlers, in die sich ein arroganter Prinz verliebt, und gegen dessen Besitzwillen sie sich mit ihrer List zu wehren weiß.

Die marokkanische Regisseurin Farida Benylazid hat das Märchen, so berichtet das Presseheft, als kleines Mädchen von ihrer Stiefmutter erzählt bekommen. Und daraus einen Film gemacht, der da schwelgt in den Kulissen des alten Orients, in schönen Kostümen und altem arabischem Gesang. Inszenatorisch war das allerdings leider schon alles: Der Film hat keine in irgendeiner Form beeindruckende Bildsprache, es wird planlos drauflos gefilmt, die Kamera ist nur unwesentlich innovativer als bei einer durchschnittlichen »Derrick«-Folge.

Dazu noch die Darsteller, die meist verloren und orientierungslos durchs Bild laufen, Allen voran die Hauptdarstellerin, deren Mimik sich während des Films auf ein zwar nettes, aber auf die Dauer doch äußerst ermüdendes Lächeln beschränkt.

Ein deutscher Film von dieser Qualität hätte wohl kaum den Weg ins Kino gefunden, und warum es dieses marokkanische Werk geschafft hat, läßt sich wohl nur aus politischen Gründen erklären. Farida Benylazid ist die einzige marokkanische Frau, die abendfüllende Spielfilme realisiert.

In Die List der Frauen nutzt sie diese Möglichkeit, um ihre Kritik an den patriarchalen arabischen Gesellschaft zu üben. Allein durch ihre Intelligenz vermag ihre Protagonist gegen den übermächtigen Prinzen zu bestehen und diesen zu bekehren und belehren, verwendet dabei Zitaten von dem westlichem Zuschauer wohl unbekannten sufischen Lehrmeistern und aus dem Koran, die die Machoallüren jedes arabischen Prinzen erschüttern werden. Daß ihr Aufruf, dem dumpfen Machtstreben vieler Männer mit Intelligenz entgegenzutreten, nicht nur im Märchen Erfolg haben soll, macht sie dabei deutlich in einem kurzen, in der Gegenwart spielenden Prolog, der zeigt, daß sich die Verhältnisse noch nicht in der Weise geändert haben, in der es wünschenswert wäre.

Trotz seiner sehr mäßigen Inszenierung vermag der Film also als politisches Lehrstück zu beeindrucken. In Deutschland sind Frauen inzwischen nicht mehr nur auf ihre List angewiesen, um ihre Rechte durchzusetzen, doch zeigt der Film, das diese Rechte ein wichtiges Gut sind, um das es sich mit List und Gesetz zu kämpfen lohnt. 1970-01-01 01:00
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