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Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen

The League of Extraordinary Gentlemen. USA 2003. R: Stephen Norrington. B: James Robinson. K: Dan Laustsen. S: Paul Rubell. M: Trevor Jones. P: Don Murphy Prod. D: Sean Connery, Shane West, Stuart Townsend, Jason Flemyng u.a.
110 Min. Fox ab 2.10.03

Nie mehr zweite Liga

Von Daniel von Rosenberg Kino ist wie Fußball. Es gibt schier unbesiegbare Teams mit einer leidenschaftlichen Aufopferungsbereitschaft für das höchste Ziel im Sport – den Erfolg. Sie messen ihre Kräfte in der Meisterklasse, und nichts ist beängstigender als der Abstieg aus dieser Liga der außergewöhnlichen Ballkünstler. Doch leider gibt es noch eine weitere Kategorie: die der überbezahlten Nichtskönner. Teure Teams vom Reißbrett. Sportler ohne Herz. Kombattanten in einer extraordinären Materialschlacht.

Flutlichter an für die Hollywood-Verfilmung des Comics »The League of Extraordinary Gentlemen«. Die Tore der Stadionkatakomben öffnen sich, und eine Mannschaft von legendären Romanhelden des 19. Jahrhunderts betritt das Spielfeld. Allen voran Allan Quatermain, der sagenumwobene Großwildjäger. Er führt seine Mannschaft an im Finalspiel gegen die Mächte der Finsternis. Auf weiteren Positionen spielen illustre Figuren wie Dorian Gray, der die gegnerische Verteidigung immer wieder zur Verzweiflung treibende Unsichtbare und der Meister der Blutgrätsche, Mr. Hyde. In der Halbzeitpause geben wir zurück in die dämmrige Parallelwelt und betrachten das Geschehen auf der Leinwand. 1899: Ein mysteriöses Phantom versucht, durch geschicktes Ränkespiel und maliziöse Sabotageakte, die Welt aus den Angeln zu heben. Eilig wird vom britischen Geheimdienstchef »M« die »Liga der außergewöhnlichen Gentlemen« gegründet. Müde Helden, die von dort an damit beschäftigt sind, von einer Explosion zur nächsten zu hasten.

Ein Spion in den eigenen Reihen erschwert zwar anfangs die Mission, hindert aber die Macher des Films nicht daran, schnulzigste Dialoge und Spezialeffekte aus einer Dorfgeisterbahn aneinanderzureihen. Sämtliche Stärken der genialen, mit literarischen Zitaten und beißender Ironie gewürzten Comic-Steilvorlage von Alan Moore und Kevin O'Neill, werden im Film versemmelt. Was bleibt, sind Lattenschüsse, vergebene Elfmeter und ärgerliche Alleingänge des Drehbuchautoren und seiner Sportfreunde. Dieses Team schreit nach Straftraining und Abstieg in die Regionalliga. Somit erlöst der Schlußpfiff nicht nur die Welt vom Bösen, sondern vor allem den Zuschauer von einer grauenvollen Kinoerfahrung. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #32.
© 2012, Schnitt Online

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