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Liegen lernen

D 2003. R,B: Hendrik Handloegten. K: Florian Hoffmeister. S: Elena Bromund. M: Dieter Schleip. P: X Filme. D: Fabian Busch, Susanne Bormann, Birgit Minichmayr, Fritzi Haberlandt u.a.
87 Min. X-Filme ab 4.9.03

Britta ist die Tollste

Von Kirsten Reinhardt Was macht die erste, große Liebe so besonders? Ganz einfach, sie ist die Erste. Wird man auch noch von ihr verlassen, hebt sie das auf ein noch höheres Podest. Unerreichbar. Die – hier wird der Name der ersten Liebe eingesetzt, in diesem Fall: Britta (Susanne Bormann) – ist die Tollste von allen! Die Demütigungen des Verlassenwerdens, das wissen wir spätestens seit High Fidelity, rumoren so lange im Unterbewußtsein, bis wir sie nicht mehr ignorieren können. Was passiert nun? Wir versuchen herauszufinden, was denn da falsch gelaufen ist, damals. Genau das tut Helmut (Fabian Busch) in Hendrik Handloegtens Liegen lernen.

Er macht sich auf die Reise in seine Vergangenheit. In die 80er Jahre. Zeit der Ballonlederjacken, zerschlissenen Halstücher und Umwelt-AGs. Seine jetzige Freundin Tina gibt ihm die Fragestellung dafür mit auf den Weg: »Ich möchte wirklich mal wissen, wie du so ein gefühlsgehemmter, bindungsunfähiger und feiger Penner geworden bist!« Das möchte Helmut auch gern wissen. Denn eigentlich liebt er seine Freundin und eigentlich freut er sich sogar auf ein Kind mit ihr. Würde nicht irgendwo in seinem Hirn Britta herumspuken. Die Erste.
Um endlich frei zu sein, muß er sie noch einmal sehen. Der Weg dahin führt zunächst zurück in die Pubertät in Helmuts spießige Kleinstadtfamilie, auf Klassenfahrt nach Ostberlin, zu Männergesprächen mit Kumpel Mücke (Florian Lukas), in Brittas Arme und – nach dem niederschmetternden Ende der ersten Beziehung – in Frauenbetten, muffelige WGs und trostlose Kneipen.

Ziemlich unglamourös ist das alles. Gar nicht so, wie die leuchtenden Gürtel und asymmetrischen Tops des 80er Jahre Revivals uns andauernd weismachen wollen. Eher ein bißchen miefig. Vielleicht liegt dieser Eindruck von Mittelmaß, der – trotz einer hervorragenden Besetzung, der detailverliebten Ausstattung und einiger großartiger Momente – im Film herrscht, an Helmut. Diesem Schluffi, der sich initiativlos von Frau zu Frau treiben läßt. Seine zweite Freundin Gisela, eine hausmütterliche Fritzi Haberlandt, erwischt ihn so beim samstagnachmittäglichen Fick mit der abgerockt-nihilistischen Mitbewohnern (Sophie Rois). Trotz, oder gerade wegen solch planloser Fehltritte ist Helmut ein Sympath, eine Art Goofy, dem wir Einiges durchgehen lassen.

Der perfekte Vertreter der Generation derer, die die 80er Jahre für die glorreiche Jugendzeit auf dem Bonanzarad halten und nun, irgendwo zwischen Pubertät und Erwachsensein hängengeblieben, hilflos und verwirrt mit den Füßen scharren.

Ach je, die 80er… Wählen wir diesen Spätsommer an den Kinokassen den deutschen Film, können wir gleich dreimal in dieses Jahrzehnt eintauchen, das plötzlich die Jugendliebe aller sein will. Das eigentlich gar nicht so besonders war, nun aber – genau wie die erste Freundin – immer schöner und begehrenswerter geworden ist. Darauf acht Bier, bitte! 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

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