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LiebesSpiel

D 2005. R: Britta Sauer. B,D: Maggie Peren. K: Konstantin Kröning. S: Martin Menzel. M: Franco Tortora, Tom Batoy. P: Schmidtz Katze Filmkollektiv, Medien & Television München. D: Florian Stetter, Bruno Frank Apitz, Henning Peker u.a.
88 Min. atlas intermedia ab 26.5.05

Willkommen am Stammtisch

Von Christian Lailach Bist du süchtig? Süchtig nach Dingen, die dich für einen Moment glücklich machen? Lassen sich all diese Süchte vereinen? Reduzieren auf eine Sucht nach Leben, nach Ruhe; nach Befriedigung deiner selbst?

Der orientierungslose Morten und die spielsüchtige Theresa finden zueinander, wenngleich sie sich ob ihrer persönlichen, teils zurückgehaltenen Probleme ebenso voneinander entfernen. Ein im Grunde anspruchsvoller Kern, doch Liebes Spiel krankt, wie bereits der Name, dessen Bezuglosigkeit zur zwanghaften Sinnsuche führt. Aber alle Wortspiele und Assoziationen hinken ähnlich und zudem grammatikalisch. Egal, wir haben Zeit, uns den Kopf zu zerbrechen, denn die Handlung ist beliebig und vorhersehbar: Ob Morten nach Zivil- oder Wehrdienst Medizin oder BWL studieren soll, ob Theresa ihren Job als Simultanübersetzerin oder Kranführerin vernachlässigt – er wird sich in sie verlieben und ausbrechen wollen, sie ihre Spielsucht nicht auf Dauer verstecken, geschweige denn kontrollieren können.

So trauen sich Peren und Sauer zwar an das gesellschaftlich oft gemiedene Thema »Sucht« heran, belassen es diesbezüglich jedoch bei einer heimelig verpackten Darstellung. Vom verstohlenen Blick zum Spielautomaten über aufkochende Aggressionen bis hin zur Beinahe-Prostitution – alles scheint nur dem Zuschauer zugänglich. Statt die Gerade zu verlassen, verschiedene Wahrnehmungen zu zeigen und damit einen mehrschichtigen Zugang sowohl zum Film als auch zum Thema zu schaffen, verharrt Liebes Spiel in einer vollkommen reizlosen Perspektive der Betrachtung. Der Blick auf die Sucht aus den Augen des Liebenden bleibt ebenso verwehrt wie der Blick auf die Liebe aus den Augen der Süchtigen. Statt dessen allgemein verträgliche Realitätsdarstellung. Nicht einmal der Versuch von Aufklärung.

Aber damit nicht genug. »Wenn sie niemanden mehr hat, dann wird sie vielleicht aufhören.« Danke, Helmut. Bereits kurz vor Schluß greifen wir nach dem Schirm, wollen gehen. Jedoch in diesem Moment sinken wir entgeistert in den Sessel zurück. Wider jedes Erwarten keimt nach knapp neunzig Minuten so etwas wie eine Möglichkeit auf, daß der Film uns doch noch gewinnen mag. Und schon ist er aus. 1970-01-01 01:00
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