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Lieber Frankie

Dear Frankie. GB 2004. R,K: Shona Auerbach. B: Andrea Gibb. S: Oral Norrie Ottey. M: Alex Heffes. P: Scorpio Films. D: Emily Mortimer, Jack McElhone, Gerard Butler, Sharon Small, Mary Riggans u.a.
105 Minuten. Buena Vista ab 21.4.05

Sehnsucht

Von Frank Brenner Lieber Frankie ist ein Film, in dem ein Kind im Zentrum steht, in dem es vor allem um das Seelenleben des kleinen Protagonisten geht und der dennoch weit mehr ist als ein bloßer Kinderfilm. Der fast 10jährige taubstumme Frankie kennt seinen Vater nur noch aus dunkelster Erinnerung, weil er ihn als Kleinkind das letzte Mal gesehen hat. Doch er korrespondiert mit seinem seefahrenden Papa in langen Briefen. Frankie weiß allerdings nicht, daß seine Mutter die Briefe im Namen des Vaters beantwortet, da sie mit diesem nichts mehr zu tun haben will. Als das Schiff, mit dem Frankies Vater angeblich um die Welt kreuzt, im Hafen von Glasgow eintreffen soll, droht das Lügengebilde in sich zusammenzustürzen. Für einen Tag muß jemand gefunden werden, der sich für Frankies Vater ausgibt.

In der Tradition britischer Arbeiterklassenfilme zeichnet sich auch Shona Auerbachs Lieber Frankie durch seinen tristen Blick auf ein wenig glamouröses, von vielen Entbehrungen geprägtes Leben aus. Frankie lebt zusammen mit seiner Mutter und seiner Oma in einer bescheidenen Wohnung, was sehr authentisch und mit Liebe zum Detail geschildert wird. Das Drehbuch konzentriert sich auf Frankies Sehnsucht nach einem Vater, aber auch auf Lizzies Hilflosigkeit, ihren Beschützerinstinkt und ihre Selbstzweifel, was die Entscheidungen der beiden rational nachvollziehbar macht und dem Drama eine emotionale Tiefe verleiht, ohne dabei in Sentimentalitäten abzugleiten. In den entscheidenden Momenten verläßt sich Auerbach zu Recht auf die Kraft ihrer Bilder, macht im Sinne ihres stummen Hauptdarstellers nicht viele Worte und kann gerade damit ungleich mehr beeindrucken als mit langen Dialogen. Ein schöner, optimistischer Film über die Kraft der Liebe und den gegenseitigen Respekt voreinander. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #38.
© 2012, Schnitt Online

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