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Liebe hat zwei Gesichter

The Mirror has two Faces. USA 1996. R: Barbra Streisand. B: Richard LaGravenese. K: Dante Spinotti. S: Jeff Werner. M: Marvin Hamlisch. D: Barbra Streisand, Jeff Bridges, Lauren Bacall, Pierce Brosnan.
126 Min. Columbia ab 6.2.97
Von Saskia Vömel Es ist die Geschichte vom häßlichen Entlein: Die Professorin für Literaturwissenschaft Rose (Barbra Streisand) ist unattraktiv und solo, aber ein guter Kumpel, lieb, aufmerksam und eine tolle Dozentin – der Matheprofessor Greg (Jeff Bridges) ist begehrter Frauenschwarm, aber unfähig und frustriert in Sachen Liebesbeziehung und Unterrichtsgestaltung. Die Lösung: gemeinsame Ehe. Bedingung: kein Sex, weil dieser ja alles kompliziert und von der »wahren« Zuneigung ablenkt. Doch so will Rose auf Dauer nicht leben müssen, und das Schicksal nimmt seinen Lauf.

Kaum zu glauben, aber wahr: Diese abstruse Geschichte, die auf André Cayattes Film Der Tag und die Nacht (1958) basiert, erzählt Barbra Streisand so flüssig und gekonnt, daß der Liebeskomödien zugeneigte Zuschauer sich auf's Beste amüsiert und auch ertappt fühlt.

Der Star des Films ist neben den Hauptdarstellern Lauren Bacall, die sowohl durch ihre Darstellung der egozentrischen Mutter von Rose als auch durch ihr aufgetakeltes Aussehen als Kosmetikberaterin, die ausschließlich Schönheit und Jugend als Lebensideale hat, glänzt. Mit beißendem Sarkasmus in Text und Blick ausgestattet, wurde die Bacall meist vor alten Fotografien ihrer Jugendzeit gefilmt und persifliert sich so selbst mit Leichtigkeit und unnachahmlicher Größe.

Wenn auch nur kurze, so doch höchst belustigende Auftritte hat Pierce Brosnan, der sich zwar in Bond-Manier die (scheinbar) schönere Schwester angelt, aber, nachdem er als klettenhafter Ehemann an ihr gescheitert ist, sich schließlich dann doch an Rose versuchen will. Er ist die schleimigste Karikatur seiner selbst seit seinem Auftritt in Mrs. Doubtfire.

Durch die sich wiederholenden Marotten der Charaktere, wie Roses Ritual beim Salatessen (Harry und Sally lassen grüßen), dem andauernden Naschen schrecklichster Süßigkeiten oder dem Beziehungsschlüsselerlebnis von Rose und Greg, einem Gespräch über Primzahlen, auf das immer wieder Bezug genommen wird, sind einem die Figuren bald vertraut, und man verfolgt gespannt ihre Entwicklung.

Trotz einiger kitschiger Elemente ist die Liebeskomödie nicht rührselig (einmal abgesehen von dem Schlußsong-Duettpartner der Streisand, dem unerträglichen Monopolinhaber in Schnulzengewäsch Bryan Adams), sondern persifliert in den richtigen Momenten ihre Artgenossen, z.B. durch Puccini und Kaminfeuer. Ein Film, der einem warm um's Herz werden läßt, auch wenn es draußen bitterkalt ist. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #05.
© 2012, Schnitt Online

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