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Liebe das Leben

La vie revée des anges. F 1998. R,B: Erick Zonca. B: Roger Bohbot, Virginie Wagon. K: Agnès Godard. S: Yannick Kergoat. M: Yann Tiersen. D: Elodie Bouchez, Natacha Régnier, Grégoire Colin u.a.
113 Min. Concorde ab 15.10.98
Von Christine Ehret Isa und Marie träumen. Und das kann man in diesem Film sehen, hören und spüren. Allein die Inbrunst, mit der die beiden jungen Französinnen an ihren Zigaretten ziehen, ist gleichzeitig Sinnbild für den Drang nach Befriedigung praller Lebenslust als auch der sukzessiven Selbstzerstörung. Ihr Hang zu wilden Abenteuern wird jeden Morgen durch das grelle Neonlicht und das dröhnende Maschinenrattern in der Fabrikhalle gedämpft, in der sie als Näherinnen jobben. Hier haben sie sich kennengelernt, weil beide in den Arbeitspausen die Abgeschiedenheit von der anonymen Masse bevorzugten. Die eigenwillige Isa gewinnt die Zuneigung Maries, die sich in ihrem widerspenstigen Aufbegehren doch nur nach Nähe sehnt.

Regisseur Erick Zonca wurden mit den beiden Hauptdarstellerinnen Elodie Bouchez und Natacha Règnier Rohdiamanten anvertraut, die er mit seinem Gespür für die Poesie der Freundschaft zu vollem Glanz bringt. Isa und Marie sind zwei starke Figuren, die ohne verklärenden Kitsch die verhängnisvolle Seite des Träumens vermitteln. Beide suchen wahre Nähe, doch sie verlieren dabei ihre bereits gefundene Freundschaft aus den Augen. Ein reicher Schnösel und ein Mädchen im Koma werden zu ihren Objekten der Zuneigung, von denen sie verschmäht werden.

Nahaufnahmen sowie Kontraste zwischen unerträglicher Stille und ohrenbetäubenden Wutausbrüchen schaffen eine Atmosphäre aufgewühlter Emotionen. Ein nicht klingelndes Telefon, ein ausbleibender Blick werden als Signal der Einsamkeit ins Bild gesetzt. Die farbenfrohe, gemütliche Wohnung ist die Zuflucht vor der dreckigen, düsteren Straße, auf die es sie immer wieder hinaustreibt. Mit diesem gemeinsamen Zuhause verlieren sie schließlich auch ihre Freundschaft, die sie »ver-träumten«. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #12.
© 2012, Schnitt Online

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