Maybe One Day
Von Frank Brenner
Es war wohl Schicksal, daß die Lebenswege der verbitterten, allein erziehenden Mutter Maria und des herzensguten Fahrers Antonio kreuzen ließ. Da Maria sich mit einem Tiefkühlkostladen über Wasser hält, hat sie nicht immer Zeit, auf ihre zehnjährige Tochter Lisa aufzupassen. Als diese am späten Abend auf der Suche nach ihrer Katze beinahe von Antonio überfahren wird, beginnt sich zwischen Antonio und Lisas Mutter eine zaghafte Freundschaft zu entwickeln. Für Antonio wird die Zuneigung schnell zu Liebe, Maria bleibt jedoch weiterhin zurückhaltend und macht aus ihrer Vergangenheit, die dafür offensichtlich verantwortlich ist, ein Geheimnis.
Giuseppe Piccioni ist seit
Nicht von dieser Welt einer der gefragtesten zeitgenössischen italienischen Regisseure. Auch mit seinem bereits vor drei Jahren fertiggestellten Film
Licht meiner Augen konnte er wieder Kritiker und Publikum begeistern. Auf dem internationalen Filmfestival von Venedig 2001 wurden seine beiden überzeugenden Hauptdarsteller dafür mit den jeweiligen Darstellerpreisen ausgezeichnet. Piccionis Film ist auch in der Tat wieder ein Darstellerfilm geworden, der von den subtilen Leistungen der Schauspieler lebt und mit deren Hilfe ein differenziertes Charakterporträt entwirft.
Antonio ist ein naiver Träumer, der seit Kindheitstagen ein Faible für Science-Fiction-Stories hegt und der staunenden Lisa von Außerirdischen erzählt, die unbemerkt die Gestalt von Menschen annehmen und deren Leben weiterleben – ihr einziges Manko besteht in der Tatsache, daß sie keine Erinnerungen an die Erlebnisse der Personen vor deren Inkorporation haben. Piccioni spielt ständig mit diesem Topos, denn seine beiden Protagonisten scheinen ihrerseits keine Erinnerungen zu haben, jedenfalls keine, die sie bedenkenlos mit dem anderen und demzufolge auch nicht mit den Kinozuschauern teilen möchten. So bleibt die Vergangenheit in nebulösen Andeutungen stecken, gewinnt die Gegenwart eine wesentlich größere, scheinbar unabänderbare Bedeutung. Als Stilmittel für diesen Umgang mit der Erinnerung setzt Piccioni die Erlebnisse des Raumfahrers Morgan als Zitate aus dem Off ein. Die Abenteuer dieses Weltenverbesserers spricht Luigi Lo Cascio, der Darsteller des Antonio, ein und macht Morgan somit ganz offensichtlich zum fiktiven Alter Ego des selbstlosen Antonio.
Licht meiner Augen erzählt eine triste, aber keineswegs hoffnungslose Geschichte von verzweifelten Menschen, für die eines Tages das Schicksal Auswege bereithält.