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Ein Licht in meinem Herzen

Unhook the Stars. USA 1996. R,B: Nick Cassavetes. K: Phedon Papamichael. S: Petra von Oelffen. M: Steven Hufsteter. D: Gena Rowlands, Marisa Tomei, Gérard Depardieu, Jake Lloyd, Moira Kelly u.a.
107 Min. Kinowelt ab 3.7.97
Von Dirk Steinkühler Die Welt der Erwachsenen ist schon eine eigenartige Welt. Da wohnt in der Nachbarschaft des sechsjährigen J.J. (Jake Lloyd) eine ältere Frau, die komplett anders ist als seine Mutter. Nachdem sein Dad nun endgültig das Haus verlassen hat, kümmert sich Mildred (Gena Rowlands) gelegentlich um ihn, wenn seine Mom arbeiten muß. Bei ihr läuft alles in geordneten Bahnen. Das Leben und die Ansichten der Witwe haben sich seit Jahren nicht verändert, und das einzig Chaotische in ihrem Haus scheint Tochter Ann Mary Margaret zu sein, die doch tatsächlich glaubt, daß sie mit achtzehn schon erwachsen ist.

Staunend beobachtet J.J. das ungewohnte Treiben, denn seine Mutter Monica (Marisa Tomei) gibt sich eher cool und unkonventionell und liest ihm schon gar nicht aus dem Fremdwörterlexikon vor. Und warum Mildred ihm bei jedem festlichen Anlaß einen Papphut aufsetzt und er in eine Tröte blasen muß, weiß J.J. auch nicht genau. Dafür spürt er ziemlich deutlich, daß bei beiden irgendetwas nicht stimmt, denn sonst würden sie nicht immer so nachdenklich schauen!

Nick Cassavetes erzählt in seinem Regiedebüt von zwei völlig unterschiedlichen Frauen, die, so aufgeschlossen sie auch sein mögen, nur innerhalb ihrer Rollenvorstellungen agieren und denen erst andere die Augen öffnen müssen. Dabei spielen vor allem die Männer in ihrem Leben eine entscheidende Rolle. Neben J.J. überrascht Monica auch ihr Frankie und Mildred der Fernfahrer Tommy (Gérard Depardieu), ebenso wie letztere ihr konservativer Sohn Ethan enttäuscht, bei dem sie die Auswirkungen ihrer Erziehung zu spüren bekommt.

Ohne Nick Cassavetes' Leistung ständig mit dem sich aufdrängenden Vergleich mit seinem Vater John zu konfrontieren, erinnert sein Film doch häufig an dessen Arbeiten: der lebensnahe Inszenierungsstil, der eine leicht melancholische Atmosphäre ohne lästige Musikuntermalung schafft; die ausgefeilten Charaktere, die auch schon mal etwas plötzlich zur Flasche greifen dürfen, und natürlich Gena Rowlands. Sie verleiht der Durchschnitts-Amerikanerin Mildred eine ungeheure Leinwandpräsenz und öffnet ihre Figur behutsam den neuen Anforderungen. Dabei werden letztendlich nicht alle aufgeworfenen Fragen beantwortet, sondern vielmehr, wie es der Originaltitel verheißt, wegweisende Denkanstöße »losgetreten«.

Antwort erhalten wir dafür endlich auf die Frage, warum Marisa Tomei vor Jahren einen Oscar bekommen hat. Wann und wo hier allerdings ein Licht in meinem Herzen brennen soll, bleibt mir ein Rätsel! 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #07.
© 2012, Schnitt Online

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