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Liberty Heights

USA 1999. R,B,P: Barry Levinson. K: Christopher Doyle. S: Stu Linder. M: Andrea Morricone. D: Adrien Brody, Ben Foster, Bebe Neuwirth, Joe Mantegna u.a.
122 Min. Warner ab 5.10.00
Von Nikolaj Nikitin …and Justice for All hieß eines der ersten Drehbücher des großen US-Chronisten Barry Levinson, der am liebsten seine Heimatstadt Baltimore porträtiert – an dieser blauäugigen Einstellung hat sich nach 20 Jahren Hollywood und High Concept Filmen nicht viel geändert. In seinem vierten Städteporträt widmet sich der Filmemacher einem sehr persönlichen Thema: seiner Kindheit.

Erzählt wird auf mehreren Handlungsebenen (sozialer und ethnischer) die Romeo-und-Julia-Geschichte im kommunisten-, juden- und afroamerikanerfeindlichen Amerika der 50er Jahre. Der einzige Vorwurf, den er sich gefallen lassen muß, ist der der übertriebenen Schönmalerei und verklärten Nostalgie, was bei solch einem persönlichen Werk nachzuvollziehen ist.

Unterstützt durch eine bravouröse Kamera- und Schnittarbeit (ein ausgesprochen ruhiger Chris Doyle und ein wie immer einfallsreicher, seriöser, aber dabei recht verspielter Stu Linder, ein langjähriger Wegbegleiter Levinsons, dem die Kenntnis um die Erzählstrukturen des Filmemachers anzumerken ist), gestandene Charaktermimen und junge Talente nimmt sich Levinson vor allem eine Freiheit heraus, die dem amerikanischen Kino in den letzten Jahren immer mehr verlorengeht: Langsamkeit und Ruhe. Irgendwo zwischen Diner und Avalon, bleibt er seinen Figuren treu und zeigt kein einfaches publikumswirksames Happy End. Sein Universum ist nicht das des zynischen Lynch oder des entlarvenden Spielberg/Mendes, es zeigt einen ehrlichen und liebevollen Blick auf sein »Land of the free«: Alles wird gut. Ein integerer Film über die Integration. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #20.
© 2012, Schnitt Online

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