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Ein letzter Kuß

L'Ultimo Bacio. I 2001. R: Gabriele Muccino. B: Gabriele Mucino. K: Marcello Montarsi. S: Claudio Di Mauro. M: Paolo Buovino. P: Fandango. D: Stefano Accorsi, Giovanna Mezzogiorno, Stefania Sandreli, Claudio Santamaria.
115 min. Tobis StudioCanal ab 24.01.02
Von Rüdiger Suchsland L'Ultimo Bacio ist eine Art auf Filmlänge gepresste Daily-Soap. Im Zentrum steht ein Paar, das tut, was alle tun: Schwangerschaft, Heirat. Die Eltern freuen sich – im Leben von Carlo und Giulia wird sich alles verändern.
Aber vielleicht freuen sich doch nicht alle. Anna, gespielt immerhin von Stefania Sandrelli ist gar nicht von der Vorstellung erbaut, jetzt Großmutter zu werden. Die Angst vor dem Altern, ihre Langeweile mit dem allzuvertrauten Ehemann greift sich Bahn, plötzlich glaubt sie, ihr Leben ändern zu müssen, und ruft ihren Ex-Geliebten an. Und auch für X ist alles nicht so klar und einfach. Auf der Hochzeit eines Freundes lernt er die hübsche Francesca kennen, die noch zur Schule geht. Er lässt sich ihre Telefonnummer geben…

Gabriele Muccinos Film, der zwei Ehe-Generationen einander konfrontiert, ist eine in Italien äußerst erfolgreiche Variante des Genres Beziehungskomödie, mit eindeutigem Schwerpunkt auf konservativen Lebensentwürfen und all den familiy values, die man – offenbar nicht nur nach deutschem Klischee – gerade in Italien so besonders liebt. Schnell, dynamisch, mit permanenter Musik unterlegt, mainstreamig glatt, aber durchaus gut gespielt, zeigt sie schöne Menschen in wohlausgestatteten Großbürgerverhältnissen, inszeniert den Zusammenhang von Glück, gutem Aussehen und traditioneller Werteordnung – und bietet für den, den das nicht ärgert, oder zumindest auch noch amüsieren kann solide kurzweilige Unterhaltung, die ansonsten aber völlig folgenlos bleibt. Die Dialogsätze könnten auch aus einer italienischen Arztserie stammen: »Im Leben gibt es keine Taktik, nur das Schicksal entscheidet. Frage Dein Herz.« und können insofern durchaus unterhalten.

Am Ende hat Carlo seine Verlobte betrogen, aber mit schlechtem Gewissen und daher selber nichts davon gehabt. Zudem hat er sich dabei so dämlich angestellt, dass ihr nichts verborgen blieb. Tränen, Geschrei und Diskussionen folgen, die in der Originalversion dem Italienliebhaber einen kurzen Schub meditarenen Temperaments bescheren – in der deutschen Sychronisation wollen wir uns das lieber nicht zu genau vorstellen. Man weiß ja, dass es auch bei Schlagern besser ist, wenn man nicht alles zu genau versteht.
Auf die vorhersehbare Krise folgt dann eine nicht weniger vorhersehbare Versöhnung, und auch Anna sitzt am Ende mit ihrem Mann im Garten. Dann lernen wir noch: »Die wahre Revolution ist die Normalität.« Schön, nicht? 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #25.
© 2012, Schnitt Online

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