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Die letzte Festung

The Last Castle. USA 2001. R: Rod Lurie. B: David Scarpa. K: Shelly Johnson. S: Michael Jablow. P: Dream Works, Robert Lawrence Productions. M: Jerry Goldsmith. D: Robert Redford, James Gandolfini, Mark Ruffalo, Delroy Lindo, Clifton Collins Jr., Steve Burton u.a.
UIP ab 29.11.01

Überzogener Patriotismus

Von Andrea Keil Wir müssen uns Sysiphos als einen glücklichen Menschen vorstellen – so oder ähnlich schrieb Albert Camus über den armen Verbrecher, der dazu verdammt war, immer wieder von Neuem einen Felsbrocken den Steilhang hochzuwälzen.

In Rod Luries Militärdrama Die letzte Festung werden Fragmente der Bildhaftigkeit dieser mythologischen Figur wieder aufgewärmt. Die in einem Spezialzuchthaus für Soldaten eingelochten Delinquenten müssen Tag für Tag zentnerschwere Steine vor der Kamera hin und her schleppen, um eine ehemalige Gefängnismauer, die in regelmäßigen Abständen entweder einstürzt oder mutwillig eingerissen wird, wiederherzustellen. Doch auch wenn die armen Häftlinge Steine hieven müssen, die aufgrund ihrer Symbollastigkeit umso gewichtiger erscheinen, äußert fast keiner von ihnen ein Wort des Mißfallens, sondern findet in der objektiv gesehen völlig sinnlosen und wenig produktiven Arbeit die Erfüllung: Ehre und Selbstachtung.

Robert Redford in der Figur eines eigentlich zu Unrecht zur Gefängnisstrafe verurteilten, ansonsten aber hochdekorierten Generals macht sich in Die letzte Festung daran, den durch das Diktat des tyrannischen Wärters zerstörten Stolz seiner Zellengenossen wiederherzustellen und schart so ein kleines Heer an rebellischen Guerilla-Kriegern um sich, um die Macht über die Festung an sich zu reißen. Vom Plot her erinnert Rod Luries Film also ein wenig an Frank Darabonts Shawshank Redemption.

Innerhalb der Mauern der mittelalterlich anmutenden Burg pflanzt Rod Lurie einen eigenen Mikrokosmos mit einer Population an, anhand derer exemplarisch das Entstehen eines »Krieges« nachvollzogen werden kann, von der ersten harmlosen Beleidigung über das Anwachsen zu einem Psychokrieg bis hin zum unvermeidbar blutigen Gemetzel. Robert Redford ist in seiner Rolle als militanter Ghandi optimal besetzt – dem alternden Hollywoodstar, der ansonsten eher durch Softie-Rollen wie beispielswiese in Der Pferdeflüsterer die Frauenherzen für sich gewann, stehen auch markantere Züge sehr gut.

Eine psychologisch ausgelotete Dramaturgie und Tiefgang in der Basisstruktur der Handlung machen den Film zu einem unterhaltsamen und emotional bewegenden Erlebnis, das bisweilen auch mit originellen Spitzen aufwarten kann. Die letzte Festung hätte in seinen Grundzügen also durchaus das Zeug zum Kinohit, doch der in diesem Film etwas arg überzogene, hollywoodspezifische Amerika-Patriotismus, vor allem gegen Ende hin, erweist sich als ziemlich nervig. Die tendenziell sogar ziemlich explizit promilitaristisch transportierten Inhalte – in kaum einem anderen Film dominiert die amerikanische Flagge mit solch penetranter Präsenz die Leinwand – lassen den Film vor allem vor dem Hintergrund des aktuellen Zeitgeschehens eher zweifelhaft erscheinen. 1970-01-01 01:00
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