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Les Misérables

USA/DK 1998. R: Bille August. B: Rafael Yglesias. K: Jörgen Persson. S: Janus Billeskov-Jansen. M: Basil Poledouris. D: Liam Neeson, Geoffrey Rush, Uma Thurman, Claire Danes u.a.
105 Min. Constantin ab 24.12.98
Von Julian Tyrasa »Les Misérables« von Victor Hugo mußte bereits einiges erdulden: 1985 wurde die dramatische Geschichte über die verschiedenen Formen von Elend und Einsamkeit auf ein familientaugliches Musical mit den üblichen Klischees reduziert und jeglichen Tiefgangs beraubt. Dementsprechend gespannt konnte Bille Augusts Verfilmung des klassischen Stoffes (ohne Songs) erwartet werden.

Bemerkenswert an der Verfilmung sind zunächst einmal die Bilder von Kameramann Jørgen Persson: Die fast monochrome Farbgestaltung erzeugt besonders in den weiten Einstellungsgrößen eine bedrückende, hoffnungslose Atmosphäre. Vor allem aber war es im Mainstream-Kino wohl noch nie so unglaublich dunkel.

Einerseits ist dies zweifellos etwas zuviel des Guten, andererseits erweist die Kamera damit – böse ausgedrückt – der Inszenierung den besten Dienst. Denn trotz hochkarätiger Besetzung leistet sich Bille August in seiner Schauspielerführung einige peinliche Entgleisungen. Wie die Musicalfassung bedient sich auch der Film vieler Versatzstücke und Trivialisierungen, die vermutlich als Zugeständnisse an das große Publikum gedacht sind, tatsächlich aber das Interesse an Handlung und Figuren schnell erlahmen lassen.

Darüberhinaus werden die geschichtlichen Ereignisse so plump und ungeschickt vermittelt, daß man als Zuschauer schlicht für dumm verkauft wird, und man müßte sich fragen, aus welcher Motivation heraus ein Film wie Les Misérables heute noch so altmodisch und lieblos gemacht wird, lieferten nicht Starttermin und Werbekampagne die Antwort; auf dem Plakat heißt es nämlich: »Die Liebesgeschichte, die als Musical über 40 Mio. Menschen verzaubert hat« – Ein paar von denen müßten doch bereit sein, ihr Geld in der Weihnachtszeit auch für die Filmversion auszugeben! 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #13.
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