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Leo und Claire

D 2002. R,K: Joseph Vilsmaier. B: Reinhard Klooss, Klaus Richter. S: Hans Funck. M: Gert Wilden jr. P: Odeon, Perathon. D: Michael Degen, Suzanne von Borsody, Franziska Petri, Jochen Nickel, Andrea Sawatzki, Dietmar Schönherr, Axel Milberg, Alexandra Maria Lara u.a.
98 Min. Odeon ab 18.4.02
Von Oliver Baumgarten Drei Figuren aus Leo und Claire:

1. Richter Rothaug ist ein übler Nazi – klar verstehen wir das, fast scheint es, als spüre man die Speicheltropfen mundwarm im eigenen Antlitz, wenn er tollwütig und herrenrassenaggressiv die Kamera zusammenscheißt und seinen widerlichen Ideologieorgasmus mit einem tyrannischen Redeejakulat über Rassenschande beendet.

2. Der schmierige Paul Steinheil liefert den Juden Katzenberger ans Messer – klar verstehen wir das, er hat sich ja schon vorher in sehr häßlicher Art und Weise an seiner Frau vergangen.

3. Irene Scheffler ist eine begehrenswerte junge Frau – klar verstehen wir das, wir haben sie ja auf Herz und Nieren prüfen können, als sie minutenlang nackt und blond vorm Spiegel tanzt.

Für mich ist das Kino für Blöde. Wer heute noch auf das Reiben der Hände zoomt, um die Nervosität einer Figur zu illustrieren, der hat entweder seit 20 Jahren keinen Film mehr gesehen oder mißtraut all den hervorragenden Profis, die ihm seitens der Darsteller oder des Filmschnitts zur Seite stehen. Wer heute noch einen Film über die Nazizeit dreht, ohne über die Kategorien von Gut und Böse hinweg zu differenzieren, schadet mehr als daß er aufklärt oder was immer er intendierte. Die historisch verbürgte Geschichte um den jüdischen Geschäftsmann Leo Katzenberger, dessen Freundschaft zur Deutschen Irene Scheffler zu einem der häßlichsten Schauprozesse führte, hätte einen subtileren Umgang verdient gehabt als diesen plumpen und redundanten Suggestionsversuch. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #26.
© 2012, Schnitt Online

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