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Die Legende von Pinocchio

D/GB/F 1996. R,B: Steve Barron. B: Sherry Mills, Barry Berman. K: Juan Ruiz Anchia. S: Sean Barton. M: Rachel Portmann. D: Martin Landau, Udo Kier, Jonathan Taylor Thomas u.a.
95 Min. Warner Bros. ab 3.10.96
Von Saskia Vömel Muß alles, was »süüüüß« sein soll, überdimensional große Augen haben? Die von »Jim Henson's Creature Shop« animierte Holzpuppe hat selbige natürlich, und um noch niedlicher zu wirken, beschränken sich ihre Äußerungen im ersten Viertel des Films ausschließlich auf goldigste »Ahhs« und »Ohhs«. Martin Landau mimt in der altbekannten Geschichte den alten Gepetto und macht den ganzen Film über fast ebenso große Augen wie sein hölzerner Schützling.

Einziger Lichtblick: Udo Kier als diabolischer Jahrmarktschausteller Lorenzini. Seine Figur wird eingeführt wie Rick in Casablanca: zuerst nur eine Hand in Großaufnahme – allerdings unterschreibt sie keinen Scheck, sondern greift in eine mit Peperoni gefüllte Tabaksdose. Erst jetzt, wenn sie die Schote zum Munde führt, erblickt man ihren Besitzer und bestaunt, wie dieser die Pfefferfrucht mit bestialischem Genuß verspeist – Udo Kier, wie immer ein wirklich scharfer Bösewicht!

Trotz aufwendiger Bauten, Kamera und Animation – die digitale Nachbearbeitung fand übrigens in Babelsberg statt – verschwindet der ursprüngliche Charme der Geschichte. Pinocchio ist buchstäblich zu hölzern, Landau zu platt und die aufdringlich trendige Grille Pepe zu vernünftig. Letztenendes bleiben viele bunte Bilder und ein schnulziger Stevie-Wonder-Song im Gedächtnis. Und Pinocchios neuer Spitzname »Woody«, den ihm seine Klassenkameraden verpaßt haben, läßt wehmütig an den liebenswürdigen Akteur des animierten Meisterwerks Toy Story zurückdenken. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #04.
© 2012, Schnitt Online

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