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Die Legende des Zorro

Legend of Zorro. USA 2005. R: Martin Campbell. B: Roberto Orci. K: Phil Meheux. S: Stuart Baird. M: James Horner. P: Tornado. D: Antonio Banderas, Catherine Zeta-Jones, Rufus Sewell, Nick Chinlund u.a.
131 Min. Sony ab 27.10.05

Gutes altes Handwerk

Von Dietrich Brüggemann Als The Mask of Zorro 1998 in die Kinos kam, da empfand man diesen Film als angenehm altmodisch. Der Held kam rüber wie ein echter Mensch, Antonio Banderas hatte echtes Charisma, Catherine Zeta-Jones sah echt gut aus, die Stunts waren echt, es gab keine computergenerierten Monster, und Zorro benutzte noch nicht mal Schußwaffen.

Jetzt kommt die Fortsetzung ins Kino – sieben Jahre später, was in Hollywood eine Ewigkeit ist. Auch diesen Film empfindet man als angenehm altmodisch, und zwar allein schon deswegen, weil er einen an das Jahr 1998 erinnert, als die Filme vielleicht irgendwie doch noch besser waren. Ob sie das waren oder nicht, sei dahingestellt, aber man merkt an einem anständigen Genrestück wie diesem einfach, wie heruntergekommen der große Hollywood-Unterhaltungsfilm inzwischen ist. Bilder aus der Playstation, Schauspieler aus dem Fitneßstudio und Dramaturgie aus der Mülltonne eines talentlosen Drehbuch-Lehrbuch-Autors – das ist es, was man so etwa zu sehen bekommt, wenn man in die Filme geht, die gerne Blockbuster wären. Der neue Zorro hebt sich davon ab, weil er einfach gutes Mainstream-Unterhaltungskino ist, das sich auf die Qualitäten besinnt, die eigentlich jeder unterhaltsame Film haben muß: inspirierte Schauspieler, planvolle Regie, nachvollziehbare Figuren, zwischenmenschliche Chemie, interessante Gegenspieler.

Zorro ist verheiratet, hat einen Sohn und durch sein Doppelleben – tagsüber Edelmann, nachts Superheld – die typischen Probleme eines Vaters, der sich im Beruf aufreibt. Die Gattin ist genervt, das Kind entfremdet, die Gattin geht fremd. Außerdem gibt es ein paar fiese Typen, die vorgeblich nur die Landbevölkerung piesacken, eigentlich aber finstere politische Pläne hegen, einen zwielichtigen englischen Lord, einen grundsympathischen Mönch und vor allem aber Zorros achtjährigen Sohn, dem einige große Momente gehören.

So simpel die Konstruktion ist, so tragfähig ist sie. Der Film macht Spaß. Altmodisch ist er dabei nur im genannten Sinne – technisch ist natürlich alles auf dem neuesten Stand, rasant geschnitten und perfekt gemacht, auch wenn die Sets immer ein wenig aussehen wie in einem Disneyland-Vergnügungspark, aber so stellt man sich in Amerika ja anscheinend die Vergangenheit vor, sonst würden ja auch die Themenparks nicht aussehen wie sie aussehen.

Regisseur Martin Campbell war seinerzeit für GoldenEye verantwortlich, den Film, mit dem die James-Bond-Reihe 1995 wiedererweckt wurde. Auch dieser Film lebte von den Qualitäten des handgemachten Unterhaltungskinos, da gab es große Bögen und Sequenzen, die so physisch waren, wie ein Actionfilm es sein muß. Danach ging es bergab mit Bond, bis er zuletzt mit Die Another Day im computergenerierten Daddelkino angekommen war. Daß Campbell jetzt wieder für die Regie des nächsten Bond-Abenteuers verpflichtet wurde, läßt hoffen, daß auch einige andere Leute in entscheidender Position keinen Spaß mehr an hingesautem Big-Budget-Schrott haben. Die Legende des Zorro kann man jedenfalls guten Gewissens empfehlen, und zwar mit einem Attribut, das sonst Schlimmes befürchten läßt, hier aber seine Berechtigung hat: ein Film für die ganze Familie. 1970-01-01 01:00
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