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Lebenszeichen

Proof of Life. USA 2000. R: Taylor Hackford. B: Tony Gilroy. K: Slawomir Idziak. S: John Smith. M: Danny Elfman. P: Anvil Films. D: Meg Ryan, Russell Crowe, David Morse, Pamela Reed, David Caruso u.a.
135 Min. Tobis ab 22.3.01

Motion Picture

Von Manuela Brunner Vietnam ist zurück. Seit den 70er Jahren ist eine Generation herangewachsen, die zum Vietnamkrieg eine Film- und Fernsehbeziehung pflegt. Für die wird Vietnam verkörpert durch Männer mit grün und braun verschmierten Gesichtern, die durch den Dschungel robben, auf sich allein gestellt, von Minen und vom unsichtbaren Feind bedroht.

Die Bilder dieser einsamen Helden und die militärischen Codes, in denen sie sich verständigen, FNGs, ETAs und Clicks, üben eine unwiderstehliche Faszination aus. Vietnam kann Thailand sein, oder Kolumbien. Der Unterschied ist reine Oberfläche: Kolumbien kann hipper, exotischer Arbeitsplatz des Karrieremanns sein oder feindliches, von korrupten Drogenbaronen beherrschtes Territorium.

Zwischen diesen beiden Polen pendelt Taylor Hackford in seiner filmischen Auflösung der Geschichte von der Entführung eines Architekten, den zähen Lösegeldverhandlungen und der Befreiungsaktion durch den »K&R«-Profi (»K&R« = Kidnapping and Ransom) Russell Crowe. Mit viel handwerklichem Geschick, Gespür für Timing und Übergänge entsteht so eine spannende Gegenüberstellung von Zivilisation, signalisiert durch Handys, VW Cabrios und Maßanzüge, und der Wildnis, in die der Entführte verschleppt wird, die sich durch Maschinengewehre, Urwald und Männer mit eben jenen grün-braun verschmierten Gesichtern definiert.

Vor allem John Smiths Montage verdankt sich die Kraft eines Films, der Handlungsräume verbindet und gegeneinander ausspielt, Zeit kondensiert und selbst in den langen, ruhigen Sequenzen Schwingungen der Gefahr aussendet, die schon mit der ersten Sequenz eingeführt wird, einem schnell geschnittenen Flashback mit dem wunderbar kontrastiv eingesetzten Voice-Over der ruhigen Stimme Crowes. Irgendwo zwischen Insider und Gladiator darf jener sich in den langen Verhandlungen mit den Kidnappern auch mal als Nachfolger des Verhandlungssache-Spacey präsentieren und bekommt nach seinem Einsatz in »Vietnam« noch die Chance, mit Meg Ryan eine echte Casablanca-Szene hinzulegen.

Es ist zu konstatieren, daß für Meg Ryan als sorgenvolle Ehefrau wenig Spielraum bleibt, und die Fremdenfeindlichkeit (»Trauen Sie bloß keinem Einheimischen«) manchmal doch etwas unangenehm wird, so daß Lebenszeichen trotz seiner modernen Bildsprache ein wenig anachronistisch wirkt. Er scheint für sich den sozial distanzierten Blick einzufordern, der sonst für die Klassiker reserviert ist – eine hoch angesetzte Forderung, die letztlich zu einer Auseinandersetzung zwischen Intellekt und Emotion auffordert, einem Konflikt, in dem ich für die Seite der Emotion plädiere. Denn Lebenszeichen verweist auf den ewigen Status des Films als »Motion Picture« – die Gültigkeit dieser Verbindung bewies noch 1999 das 5. Bremer Filmsymposion mit seinem Motto »Motion is Emotion«. 1970-01-01 01:00
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