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Lebenslänglich

Life. USA 1999. R: Ted Demme. B: Robert Ramsey, Matthew Stone. K: Geoffrey Simpson. S: Jeffrey Wolf. M: Wyclef Jean. P: Imagine Entertainment. D: Eddie Murphy, Martin Lawrence, Obba Babatundé, Nick Cassavetes, Ned Beatty, R. Lee Ermey u.a.
108 Min. UIP ab 22.6.00

Parodie ohne Witz

Von Frank Brenner Gefängnisfilme sind im Moment wieder so richtig in Mode. Heutzutage sind die Helden aber keine toughen Ausbrechertypen à la Burt Lancaster oder Clint Eastwood, sondern vom Leben gebeutelte Individuen, die irgendwie mit ihrem Schicksal fertig werden müssen, ohne am rauhen Knastalltag zu zerbrechen. Stephen King lieferte die Vorlage für zwei sentimental-schöne Gefängnisdramen, The Shawshank Redemption und unlängst The Green Mile. Das Leben stand Pate für Norman Jewisons Biopic über den unschuldig zu lebenslanger Haft verurteilten Rubin »The Hurricane« Carter. Diese Filme sind stets todernst, dramatisch wie die Achtuhrnachrichten und meist wunderbar gefühlsduselig. So richtig gute Unterhaltung eben.

Solche Stoffe bieten natürlich glänzendes Ausgangsmaterial für bitterböse Parodien, in denen die Heiligen Kühe von ihren Podesten geschubst und kräftig durch den Kakao gezogen werden. Ted Demme versucht, sich über zwei Männer lustig zu machen, die mehr als sechs Jahrzehnte ihres Lebens unschuldig im Gefängnis saßen, weil der echte Mörder kein geringerer als der Sheriff war. Aber der Film funktioniert nicht, denn er ist nicht unterhaltsam und verbreitet nur Langeweile. Eddie Murphy und Martin Lawrence, beide komödiantisch einschlägig vorbelastet, haben mit einer gagfreien Handlung zu kämpfen, in der sämtliche Klischees des Genres aufgeboten werden, ohne reflektiert oder gar ironisiert zu werden. Der Aufseher ist nun mal wieder der Böse, der mit den Gefangenen nur über seinen Kalfaktor kommunizieren will; der Direktor ist herzensgut, aber doof; und die Mitgefangenen sind bullige Schlägertypen, tuntige Plappermäuler oder weise kommentierende Beobachter.

Eine Parodie ohne Witz ist eine deprimierende Angelegenheit. In einigen Momenten kommen einem sogar Zweifel, ob Demme nicht doch einen ernsthaften Film drehen wollte. Diese verfliegen aber, sobald Murphy wieder eine seiner penetranten Grimassen schneidet oder sein deutscher Synchronsprecher Randolf Kronberg die Dialoge dazuquäkt. Spätestens dann wirkt Murphys Figur nicht mehr wie ein greiser 90jähriger, auch wenn es uns Rick Bakers oscarnominierte Maske glauben machen will. Das Problem läßt sich aber keineswegs auf die Akustik reduzieren, denn Martin Lawrences Greisenstadium ist auch optisch wesentlich überzeugender – was definitiv nicht am Make-up liegt.

Die einzige filmisch interessante Szene des Films dauert nur wenige Minuten. Darin erträumen sich die Gefangenen in ihrem Schlafsaal, einen eigenen Nachtclub in New York zu besitzen, in dem jeder seinem Traumjob nachgehen darf. Bei dieser kollektiven Illusion wird zwischen den realen Häftlingen und ihren imaginären Alter Egos hin- und hergeschnitten und dadurch mit den Konventionen des Filmdialogs gespielt. Eine kleine Oase in einem ansonsten ziemlich trockenen Komödienversuch. 1970-01-01 01:00
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