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Das Leben des David Gale

USA/GB 2002. R: Alan Parker. B: Charles Randolph. K: Michael Seresin. S: Gerry Hambling. M: Alex Parker, Jake Parker. P: IM Internationalmedia AG, Saturn Films, Dirty Hands. D: Kevin Spacey, Kate Winslet, Laura Linney u.a.
130 Min. UIP ab 13.3.03

Schuld und Sühne

Von Sascha Seiler Kevin Spacey als David Gale: wieder mal sehr gut, in dieser ihm eigenen, undurchschaubaren Intelligenz. Durchschaubarer als sonst, dennoch durchtrieben und natürlich knapp an der Wahrheit vorbeiredend. Kate Winslet: sehr süß, heißt ja auch Bitsy, soll also auch süß und zerbrechlich sein, gleichzeitig aber stark und entschlossen agieren. Winslets Sidekick: dummcool, immer einen blöden Spruch auf den Lippen, übermotiviert, bis er darauf hingewiesen wird, daß er nur der Praktikant ist, dann besonnener, also im Großen und Ganzen uninteressant; ein bißchen was für den Comic Relief.

Und dann ist da noch der Rückblick in das bewegte Leben Gales, aus dem große Teile dieses Films bestehen: Die getötete Todesstrafengegnerin: blaß, häßlich, aber resolut und intelligent; die verführerische Studentin, die Gale ins Verderben stürzt: sieht natürlich auch aus wie eine Schlampe. Und da ist dann noch der geheimnisvolle Irre, der sich als Cowboy verkleidet. Der Film, soviel vorweg, ist sehr spannend und birgt einige Überraschungen, aber mehr nicht – mit diesen klischeebeladenen Charakteren kann er als Drama nur im biederen Mittelmaß versinken.

Mit einer sozialkritischen Auseinandersetzung mit dem Thema Todesstrafe in den USA hat das wenig zu tun, vielmehr setzt Alan Parker auf jene Thriller Ingredienzen, die schon Cry Freedom zu einer mehr spannenden denn diskursiven Angelegenheit gemacht haben. Ein Glück, denn eigentlich ist seit Dead Man Walking alles Mainstream-kompatible zum Thema gesagt, und man fürchtet sich zu Beginn von The Life of David Gale schon vor dem erhobenen Zeigefinger, den die Aufdeckungsjournalistin sicherlich evozieren wird. Aber nein. Die Debatte um das Für und Wider der Todesstrafe ist nur der Aufhänger für eine Geschichte um Schuld und Sühne, Verlangen und der Unmöglichkeit zu Vergessen. Wird Zeit, daß Parker sich auf Angel Heart besinnt und mal keinen Gutmenschenfilm macht. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

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