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Laws of Attraction – Was sich liebt verklagt sich

USA 2004. R,B: Peter Howitt. B: Aline Brosh McKenna, Robert Harling, Karey Kirkpatrick u.a. K: Adrian Biddle. S: Tony Lawson. P: Deep River, Irish Dreamtime. D: Pierce Brosnan, Julianne Moore, Michael Sheen, Parker Posey, Frances Fisher u.a.
91 Min. Karlstor ab 16.6.05

Durchhalteparolen für die Ehe

Von Franziska Heller Laws of attraction: Wenn man so gutmütig ist wie der von Pierce Brosnan dargestellte Charakter Daniel Rafferty, könnte man behaupten, daß der Film absichtlich hier auf »Gesetze« der zwischengeschlechtlichen Anziehung verweist, wie sie Hollywood in seiner traditionellsten Form produziert. Diesen Gesetzen folgt der Film in erschreckender Genauigkeit. Gleich zu Beginn wird zunächst einmal in einem Mutter-Tochter Gespräch so einiges klargestellt. Die nymphomanische, Schönheits-OP-süchtige Mutter Sara ersetzt in diesem Film die beste Freundin oder den schwulen Freund von Audrey Woods. Mutter Sara stellt also gleich zu Beginn fest, daß Frauen, die behaupten, keine Zeit für eine Beziehung zu haben, eigentlich nur einsam sind. Außerdem werde ihre Haut immer schlecht, wenn sie keinen Freund habe: »Aber Mutter, du hast doch immer einen Freund!« Den hat allerdings Tochter Audrey Woods nicht. Und darum dreht es sich in diesem Film: Audreys persönliche Unsicherheit und ihr beruflicher Ehrgeiz. Beides muß bekämpft werden, bis diese höchst beziehungsuntauglichen Eigenschaften – so zumindest der Film – schließlich domestiziert sind. Dann erst kann Audrey mit ihrem ehemaligen Gegenspieler Daniel Rafferty in bester Pretty Woman-Manier in einer weißen Limousine einem trauten Eheleben entgegenfahren.

Die Besetzung der beiden sich attackierenden Staranwälte und ihre Charakterkonstruktionen mögen überraschen. Pierce Brosnan ist eben dezidiert nicht der geleckte Macho, sondern ein verlotterter, zwischen Chaos und Genie hin und her schwankender Softi. Besonders macht aber auch Julianne Moore den Film sehenswert, da sie ein doch recht komödiantisches Talent und Timing besitzt und dies aber auch mit ernsthafter Traurigkeit und Verzweiflung brechen kann. Diese schauspielerische Spannbreite nutzt der Film auch weitgehend aus; nicht nur dadurch, daß die Geschichte immer sehr nah an Audrey dran bleibt und vor allem ihre emotionalen Ausbrüche und neurotischen Züge zeigt. Darüber hinaus unterstützt die Kamera diese Fokussierung mit vielen Großaufnahmen von Moores ausdruckstarkem Gesicht. Doch dadurch ergibt sich ein gewisses Ungleichgewicht zu Brosnans Charakter, der in diesem (angedeuteten) Kampf der Geschlechter fast ein wenig eindimensional gerät. Er ist lieb und soft, steht zu seinen Gefühlen – im Gegensatz eben zu Audrey. Er ist sogar so nett, daß man ihm ohne weiteres die schmutzigen Tricks im Gerichtsaal verzeiht – selbst wenn seine Finten im wahrsten Sinne des Wortes unter die Gürtellinie gehen: Rafferty entwendet nach der ersten gemeinsamen Nacht mit Audrey ihr Höschen und zeigt dann im Gerichtsaal, daß er sich sogar Notizen darauf gemacht hat. Seine Vergehen dienen aber weniger der Darstellung einer möglichen Verschlagenheit seines Charakters, sondern stellen sie vielmehr die Plattform für die Propagierung von Durchhalteparolen für die Ehe dar. Dies wird dadurch pikant konturiert, daß Audrey und Daniel ihren Lebensunterhalt als Scheidungsanwälte verdienen. Letztendlich ist dies eigentlich gar nicht so ein schlechter Einfall. Aber dadurch, daß immer wieder im Film verkündet wird, man solle für eine Ehe kämpfen, scheint es notwendig, Audreys Charakter – auch im Berufsleben – verhältnismäßig zahm zu belassen, vergleicht man sie mit Scharmützeln, die TV-Anwältinnen wie Ally, Nell oder gar Ling im Gerichtssaal abfeuern können.

Es gibt in diesem Film keineswegs formale Extravaganzen, wie es eben zum Beispiel bei Ally McBeal der Fall ist. Der Humor dieses Films ergibt sich vorwiegend aus ganz klassischen Wahrnehmungsdifferenzen im Bild: Wenn etwa Audrey nach einer durchzechten Nacht in einem irischen Dorf seelig träumt, wie ihr von Daniel ein Ring an den Finger gesteckt wird; sie fährt schließlich erschreckt auf und wischt sich mit den Händen das schweißnasse Gesicht. Da sieht der Zuschauer schon: Es war kein (Alp-)traum. Der Ring steckt tatsächlich an ihrem Finger. Parallelen zu alkoholisiertem Heiratsgebahren in der realen Popwelt werden aber (leider) unterlassen. Stattdessen dient das ausgeflippte Rockstar-Pärchen Serena und Thorne als aggressives Antipärchen, das mit seinen lautstarken Vulgaritäten eine Verschärfung des Geschlechterkampfes bewirken soll. Dies wirkt aber bald überstrapaziert. Zudem wird auch diese Ehe als Modell gerettet. Laws of attraction – Was sich liebt, verklagt sich ist also ein wunderbarer Film für erste Dates – locker flockig, schon gar nicht anspruchsvoll – für alle Pärchen, die vielleicht später einmal für eine Ehe kämpfen wollen. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

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