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Laurel Canyon

USA 2002. R,B: Lisa Cholodenko. K: Wally Pfister. S: Amy E. Duddleston. M: Craig Wedren. P: Antidote Films. D: Frances McDormand, Christian Bale, Kate Beckinsale, Natascha McElhone u.a.
103 Min. Columbia TriStar ab 29.1.04

Das alte Amerika

Von Dietrich Brüggemann Europa ist in Amerika ja ganz was anderes als hierzulande. Hier fällt es nicht weiter auf, man ist mittendrin, aber aus amerikanischer Sicht verwandelt sich Europa, zumindest in urbanen Intellektuellenkreisen, rasch in eine Art Utopie, eine bessere Welt, in der man gerne wäre.

Der junge amerikanische Independentfilm sieht seit Jahren irgendwie »europäisch« aus, und gelegentlich wird der kulturelle Kontrast selbst zum Thema. So wie hier: Sam und Alex, ein junges Paar, Mediziner und Biologin, Harvard-Absolventen, distinguiert und langweilig, ziehen in L.A. ins Haus von Sams Mutter, die dort wider Erwarten selber nicht nur wohnt, sondern gerade mit einer britischen Band ein Album produziert. Der lebenslustige Sänger der Band findet Gefallen an Alex und bringt ihr bei, das Dasein etwas lockerer zu nehmen, und Sam begegnet am Arbeitsplatz einer Israelin, die ihn berauscht und fasziniert.

Die Geschichte von Laurel Canyon ist nicht aufregend, aber stimmig. Sie lebt von der zurückhaltenden Inszenierung und der durchweg hervorragenden Besetzung. Christian Bale und Kate Beckinsale könnten das Paar nicht besser spielen, Frances McDormand als vergnügt alternde Flower-Power-Frau ist ebenso gut wie Alessandro Nivola, der aussieht wie Fran Healy von Travis, und gegen Natascha McElhone als gutaussehende, komplizierte israelische Assistenzärztin ist sowieso nichts einzuwenden.

Will man den Film in größere Zusammenhänge einordnen, so ist sogleich klar: Europa rockt. Die zugeknöpften Amerikaner werden von den europäischen Bohemiens ein bißchen aus der Reserve gelockt, während das rockende Amerika in Gestalt der Musikproduzentin ein Auslaufmodell ist – lustig, aber lebensuntüchtig. Das moderne Amerika wiederum ist ein wenig so, wie man sich wohl mancherorts das alte Europa vorstellt, nämlich konservativ und leicht verstaubt. Vielleicht hat es mit diesem Rollentausch zu tun, daß in diesem Film Engländer von Amerikanern gespielt werden und Amerikaner von Engländern. Allein Frances McDormand spielt in ihrer eigenen Nationalität – in ihrer Figur, der bekifften Hippie-Oma, wäre Amerika nach dieser Theorie mit sich selbst im Reinen. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #33.
© 2012, Schnitt Online

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