Von Tom Beyer
Eigentlich ist John Smith (Bruce Willis) auf dem Weg nach Mexico, als ihn die Suche nach einem Nachtquartier in das Grenznest Jericho verschlägt, wo ein äußerst unfreundlicher Empfang auf ihn wartet. Anstatt den Ratschlägen des Sheriffs (Bruce Dern) zu folgen und die von Gangsterfamilien beherrschte Stadt schnellstens wieder zu verlassen, legt sich Smith in einem gefährlichen Spiel mit den rivalisierenden Clans an. Bald hat er sich sämtliche Einwohner zu Feinden gemacht und seine letzte Überlebenschance ist die des last man standing. Da heißt es dann: Ran an die Schießeisen, und das am besten gleich beidhändig.
Zum klassischen outlaw-plot, ließ sich Walter Hill von Kurosawas Samurai-Drama Yojimbo inspirieren, verlagerte das Geschehen aber mitten in die amerikanische Prohibitionsdekade. Die fiktive texanische Grenzstadt Jericho mit ihren menschenleeren Straßen und verwesenden Pferdekadavern liefert die ultimative Westernkulisse für den ultimativen Gangsterfilm. Hills geradlinige und schnörkellose Inszenierung treibt die Konfrontation »Einer gegen alle« auf die Spitze und ist durch Ry Cooders atmosphärische Musik bestens unterlegt. Mit Bruce Willis als zynischem Fremden ohne Vergangenheit und Zukunft steht Hill die Idealbesetzung zur Verfügung.
Last Man Standing ist genau so inszeniert, genau so fotografiert und exakt so ausgestattet, wie gutes Genrekino gemacht sein muß. Und wenn Smith am Ende seinen Weg weiter Richtung Mexico fortsetzt, dann ist Jericho endgültig ausgestorben, und hinter dem Zuschauer liegen 100 Minuten bester Kinounterhaltung.