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Lang lebe Ned Devine!

Waking Ned. USA 1998. R,B: Kirk Jones. K: Henry Braham. S: Alan Strachan. M: Shaun Davey. D: Ian Bannen, David Kelly, Fionnula Flanagan, Susan Lynch u.a.
91 Min. Helkon ab 25.3.99
Von Christine Ehret Wie im Landeflug eines außerirdischen Raumschiffs strandet die Kamera im irischen Küstenkaff Tulaigh Morth. Mit dem Charme eines kleinen, allseits bekannten gallischen Dorfes vollzieht sich hier der Alltag in einem die Zivilisation mit Skepsis betrachtenden Mikrokosmos. Da schneit die Welt von draußen durch einen Lottogewinn herein – und alles gerät aus den Fugen, weil der rechtliche Empfänger, Ned Devine, grinsend über soviel Glück einfach stirbt.

Aber als die beiden alten Freunde Jackie und Michael auf die famose Idee kommen, dem Abgesandten der Lottogesellschaft einen putzmunteren Ned vorzugaukeln, ist das mehr ein Spiel gegen die schnöselig-profane Welt da draußen, an dem sich die gesamte Dorfgemeinde mit respektloser Selbstgerechtigkeit beteiligt. Und Regisseur Kirk Jones versteht es prächtig, schrullige nackte Männer auf Motorrädern oder den harschen Umgang mit einer Leiche aus Perspektiven zu zeigen, die in ihrer Nähe komplizenhaft und in ihrer duldsamen Hinnahme selbst absurdester Situationen gleichzeitig verfremdend wirken.

Obwohl die Dramaturgie bezüglich einiger Nebenschauplätze etwas lieblos erscheint, ist diese Komödie mit bissigem schwarzen Humor und bizarr-eigenbrödlerischen Figuren gesegnet. Das lausbubenhafte Duo Ian Bannen und David Kelly bildet hierbei nur die Spitze des liebenswürdig schrillen Menschenhaufens. Nicht nur aufgrund ihrer gegensätzlichen Statur erinnern diese an den slapstickhaften Buddy-Humor in der Tradition von Laurel & Hardy oder des bis in die alten Tage bewährten Komikerpaars Lemmon/Matthau. Es ist eine Wonne zu beobachten, wie diese lebenslustigen alten Männer das Glück unter Einsatz verblüffender Wendigkeit gewaltig am Schopfe packen – ob es will oder nicht. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #14.

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