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La mala educación – Schlechte Erziehung

La mala educación. E 2004. R,B: Pedro Almodóvar. K: José Luis Alcaine. S: José Salcedo. M: Alberto Iglesias. P: El Deseo. D: Gael García Bernal, Fele Martinez, Daniel Giménez Cacho, Javier Cámara.
106 Min. Tobis ab 30.9.04

Intimsphäre

Von Anne Heringhaus Man sitzt mitten in und auf der Arbeit, als ein hereinkommender Besuch verspricht, den eben noch so schönen Tag mit etwas unangenehmer Penetranz nervenaufreibender zu machen. Der Film beginnt also mit der Zusammenführung zweier junger Männer und ein wenig zuviel Peinlichkeit; die man verspürt, wenn man nachvollziehen kann, jemanden zu treffen, ihn nicht mehr erkennt, geschweige denn, den dazu passenden Namen in den gerade unangenehmen Sekunden der Wiedersehensfreude aus seinem Gedächtnis herauszaubern kann.

In Cannes wurde der Film La mala educación als Eröffnungsfilm gezeigt, wohl auch, weil er beispielhaft zeigt, wie weit man im Film gehen kann. Und das nutzt Almodóvar: die Szenen sind immer ein wenig zu lang und zu privat, doch eben das läßt den Zuschauer immer mehr die Freundschaft der wiederzusammengefundenen Schulbankfreunde verstehen, die in drei unterschiedlichen Zeitebenen dargestellt ist.

Fernab von irgendeinem Production Code oder unter Aufsicht von Francos Regime kann Almodóvar heute ent-tabuisierte Themen zeigen. Statt normalo Liebesfilm: Homosexualität; statt dem strengen Glauben in der Klosterschule: gesetzeswidrige Pädophilie, Themen wie in fast allen seinen Werken. Doch die Klischees, die das katholische Spanien mit seinen Machos bedienen könnte, zeigt La mala educación nicht, trotz »ganz ansehnlicher Protagonisten«, wie Gael García Bernal (endlich erwachsener als in Y tu mamá también), der auch als Transvestit im Mini eine gute Figur macht.

Daß Almodóvar selbst einst Klosterschüler war, läßt den eigentlichen undurchsichtigen Schleier dieser Institutionen, gelüftet, noch grotesker erscheinen. Er zeigt eine Liebesgeschichte ohne Kitsch, überzeichnet an anderen Stellen so, daß die teils schrillen Figuren eher den Film noir parodieren als ihn zu unterstreichen. Allem zum Trotz zeigt er doch wieder das normale Leben in Spanien, bei dem man das Ende nicht absehen kann. 1970-01-01 01:00

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