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Kukushka – Der Kuckuck

RUS 2002. R,B: Aleksandr Rogoshkin. K: Andrei Zhegalov. S: Julia Roumyantsev. M: Dmitri Pavlov. P: CTB. D: Anni-Kristina Juuso, Viktor Bychkov u.a.
100 Min. Kool ab 14.7.05

Babylon

Von Franziska Nössig Der selbstbewußte Europäer, der an die Verständigung in Europa glaubt, weil er ein paar Brocken Englisch, Französisch, Spanisch oder gar Deutsch spricht, sieht Kukushka, einen europäischen Film, und versteht nichts. Das ihm bekannte Konzept von (Mittel-)Europa mit seinen vielen, aber ähnlichen Sprachen spielt in Aleksandr Rogoshkins Film keine Rolle, sein Europa und das dazugehörige Babylon befinden sich in Lappland.

Im Herbst 1944 – Rußland kämpft gegen Deutschland und seinen Verbündeten Finnland – findet die Lappin Anni den verwundeten russischen Soldaten Ivan und pflegt ihn gesund. Kurz darauf taucht der finnische Soldat Veiko bei ihr auf. Abseits der Kriegsschauplätze beginnen sie ein Leben zu dritt auf Annis Hof. Obwohl alle drei eine andere Muttersprache haben und kein Wort von dem verstehen, was der andere sagt, kommunizieren sie miteinander. Besonders Anni redet munter und energisch auf beide Männer ein, gibt Anweisungen und äußert unverblümt ihre Lust auf Sex.

Neben diesen teils witzigen, teils philosophischen Dialogen, die doch immer Monologe bleiben, übt Kukushka auch eine optische Anziehungskraft aus. In allen Bildern dominiert die Ruhe, die Weite Lapplands und das kühle Licht des Nordens. Die ständige Dämmerung scheint keine Tageszeit zu kennen. Ganz bewußt hat Rogoshkin mit seinem Kameramann die Helligkeit der Farben beim Entwickeln reduziert und gleichzeitig mit Annis dunklerer Hautfarbe einen starken, harten Kontrast kreiert. Es ist tatsächlich ein anderes Stück Europa, das uns Rogoshkin hier zeigt. Faszinierender und intensiver, eben weil man nicht alles auf Anhieb versteht. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #39.
© 2012, Schnitt Online

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