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Ein Königreich für ein Lama

The Emperor's New Groove. USA 2000. R: Mark Dindal. B: Roger Allers, David Reynolds. M: John Debney, David Hartley, Sting. P: Disney Pictures. D: David Spade, John Goodman, Eartha Kitt, Patrick Warburton u.a.
Buena Vista ab 15.3.01
Von Matthias Grimm Das ganze Leben ist Musik – es gibt einen ganz bestimmten Rhythmus, unterschiedliche Strophen, Technik, Fluß und Pausen, kurz: Es groovt, und diesen Groove zu stören, kann höchst unangenehm sein. Doch es gibt noch etwas anderes, das ebenso groovt wie das Leben, etwas, das beinahe noch mehr auf Rhythmus angewiesen ist, auf Timing, Gespür, Phantasie, etwas, so könnte man sagen, das musikalischer ist als die Musik selbst: gemeint ist der Witz.

Und von dem hat dieser Film mehr als genug. Ja, er macht seinen humoristischen Zug gar zu seiner primären Komponente und verzichtet deswegen vollständig auf zwei Mechanismen, die Disney in den letzten Jahren zu tragenden und scheinbar unentbehrlichen Pfeilern des allein beherrschten Marktes erhob: die Romanze sowie marketingstrategisch wichtige Comic Relief-Figuren. Einzig der politisch korrekte, aber nur als Hauch existente, Alibi-Plot vom herzlosen König, der durch einen Fluch in ein Lama verwandelt und geläutert wird, ist als Schatten des alten Paradigmas noch vorzufinden. Man mag es kaum glauben, aber dieser Schritt darf in einem – wie kaum ein anderes – innovationslosen Genre fast als revolutionär verstanden werden, als eine Art Renaissance, die das Genre dorthin zurückkatapultiert, von wo es kam, und wo es noch viel besser war: im Cartoon.

Tatsächlich ist The Emperor's New Groove eher ein Warner-Cartoon im Leinwandformat, eine Art Donald Duck-Comic mit Überlänge, statt dem steril industriell, nach gängigen Mustern reproduzierten Disney-Erzeugnis der letzten Jahre. Gag jagt Pointe jagt Bonmot, das ganze wieder von vorne und dann nochmal gesteigert. Ob das neue Konzept aufgeht, darf bezweifelt, daß es nicht bis zum Umfallen kopiert wird, darf gehofft werden. Schließlich ist die Krise für Disney eine künstlerische, keine finanzielle, und ambitionierte Projekte wie das letztjährige Fantasia 2000 wurden vom Publikum nur widerwillig bis gar nicht aufgenommen. Daß der Konzern langfristig ein noch minimalistischeres Konzept fährt, ist dafür ebenso abstoßend wie im Einzelfall begrüßenswert. Denn auch wenn die Substanz des Werkes in etwa der von koffeinfreiem Kaffee entspricht, eines ist sicher: Es groovt. Ich für meinen Teil habe mich jedenfalls fast totgelacht. 1970-01-01 01:00

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