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Knocked Out – Eine schlagkräftige Freundschaft

Play It to the Bone. USA 1999. R,B: Ron Shelton. K: Mark Vargo. S: Patrick Flannery, Paul Seydor. M: Alex Wurman. D: Antonio Banderas, Woody Harrelson, Lucy Liu, Tom Sizemore, Robert Wagner, Mike Tyson, Kevin Costner u.a.
105 Min. Advanced ab 30.3.00
Von Thomas Warnecke Ein betörender Song, die Kamera schwebt über dem morgendlichen Las Vegas, ein Kokser, Huren und eine Leiche: Scorseses Casino als Boxerfilm? Aber die spektakuläre Exposition ist keine Opern-Ouvertüre, und es geht nicht um den Kampf der Kämpfe, den Tag der Entscheidung. Wir sind ja nicht bei RTL. Es geht lediglich um einen Vorkampf.

Die beiden von Antonio Banderas und Woody Harrelson verkörperten Boxer sind Loser, die ihre große Chance im Business verpaßt haben. Noch einmal werden sie gebraucht, weil wegen der oben erwähnten Huren und der Leiche die ursprüngliche Besetzung für ein Mike Tyson-Vorprogramm indisponiert ist. Und es beginnt – ein Roadmovie. Zusammen mit Lolita Davidovich, die mit beiden mal was hatte und außerdem ein Auto besitzt, geht's nach Vegas.

Man sieht es gleich, Play It to the Bone ist schönster Genre-Mix. Auf Umwegen tastet er sich an den unvermeidlichen Entscheidungskampf heran, als Meta-Boxfilm, der seine Helden erst mal lang und breit übers Kämpfen schwadronieren läßt, der klarstellt, daß Madrid in Mexiko liegt und Jesus auch an Raststätten erscheint, und der dank der spielwitzigen Akteure und der gekonnten Dialogregie auf dem besten Weg zur Screwball-Comedy ist. Lolita Davidovich ist dabei so etwas wie die Nemesis der beiden Helden, die Zuneigung zuteilt oder verweigert und so das Gleichgewicht zwischen den beiden eigenwilligen Underdogs erhält. Die scharfe Anhalterin stört nur kurz den Frieden der Dreieinigkeit.

So treibt Regisseur Ron Shelton seine Spielchen mit den Akteuren und hebelt dabei nach und nach alle Genreregeln aus. Doch allein mit Schattenboxen kann er sich auf die Dauer nicht zufrieden geben und schickt seine Helden schließlich in den Ring. Dabei verfeuert er sein letztes inszenatorisches Feuerwerk, Blut, Schweiß und Tränen fließen, und barbusige Nummerngirls lassen den Kampf zu einem fast surrealistischen Showdown werden. So gut sich der Regisseur und seine Helden aber auch über die Runden retten mögen, der bemüht-versöhnliche Ausgang schmeckt ebenso schal wie ein Unentschieden nach Punkten. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #18.
© 2012, Schnitt Online

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