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Das kleine Buch der Liebe

Pequeno Dicionàrio Amoroso. BRA 1997. R: Sandra Werneck. B: Paulo Halm, José Roberto Torero. K: Walter Carvalho. S: Virginia Flores. M: Joao Nabuco, Ed Motta. P: Cineluz, Lumiere Lateinamerika. D: Andréa Beltrao, Daniel Dantas, Monica Torres, Tony Ramos u.a.
91 Min. Movienet ab 5.7.01
Von Thomas Warnecke Mann und Frau lernen sich kennen, verlieben sich, ziehen zusammen, die Liebe läßt nach, sie trennen sich. Natürlich geht es in den meisten Filmen um ungefähr das gleiche, aber es kommt darauf an, wie sie es schaffen, uns für immer die gleiche Geschichte zu begeistern.

Sandra Werneck will nicht begeistern. Möglicherweise weil sie bisher Dokumentarfilme mit starker sozialer Ausrichtung gemacht hat, geht ihr jede Begabung für Unterhaltsamkeit ab. Mit Stichwörten handelt sie stationenweise die Geschichte von Luiza und Gabriel ab, garniert mit den Kommentaren jeweils der Freundin bzw. des Freundes der beiden.

Der interessierte europäische Kinogänger ist ja in Sachen verbaler Beziehungsaufbereitung einiges von den Franzosen und insbesondere Eric Rohmer gewohnt, doch hatte dieser immer das feine Gefühl für Nuancen, für eine Montage, die immer das Wesentliche im Auge behielt, Spannungsbögen aufbaute und dem Reigen der Paare den richtigen Rhythmus verlieh. Nichts von alledem führt Sandra Werneck vor. Interviews und Dialogszenen wie aus dem Sozialkunde-Rollenspielkursus. Keine Eigenwilligkeiten machen ihre Figuren lebendig. Das ist besonders schade, weil Andréa Beltrao und Daniel Dantas in ihrem Spiel durchaus über Natürlichkeit verfügen.

Doch die Regisseurin paukt in unverändertem Tempo ihre Lektionen in Sachen Liebe durch, nie schweift sie ab, nichts scheint ihr des verweilens wert. In ihrem pedantischen Bemühen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, entgeht ihr ebendies völlig. Überflüssig zu sagen, daß die im Film vermittelten Ansichten über Liebe völlig klischeehaft sind. Zu loben wäre Kameramann Walter Carvalho (Central do Brasil) gewesen, der ein wundervolles Gespür für Licht besitzt, wenn ihn Werneck nicht so sehr an der kurzen Leine hielte und fast ausschließlich Großaufnahmen sprechender Köpfe aufnehmen lies. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #23.
© 2012, Schnitt Online

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