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Klassenfahrt

D 2002. R,B: Henner Winckler. B: Stefan Kriekhaus. K: Janne Busse. S: Bettina Böhler. P: Schramm Film. D: Steven Sperling, Sophie Kempe, Bartek Blaszczyk u.a.
85 Min. Peripher ab 26.9.02
Von Norbert Parzinger Er sagt nichts. Er liebt ein Mädchen; sie ist sich nicht so sicher, da ist noch ein anderer. Mutproben werden anberaumt, bis eine schiefgeht: Der andere springt ins Wasser und kehrt nicht mehr wieder, der eine kneift und geht heim. Die Sache macht ihn kaputt, aber er sagt kein Wort. Er sagt überhaupt nicht viel; Ronny heißt er, soviel weiß man immerhin, mit der 10b aus Berlin für eine Woche an der polnischen Ostseeküste.

Der Titel der Geschichte spielt mit den Erwartungen all derer, die das für die Übersetzung von Road Trip halten. Klassenfahrt ist eben keine signalfarbig-schwachsinnige Karikatur, die ihre Figuren für billiges Geblödel ausschlachtet. Winckler liest zwischen den Zeilen, und dort steht überall »Teenage Angst«; Janne Busse und Bettina Böhler (Schnitt-Preis-Trägerin 2000) haben das in Bildfolgen voller Leere, Stille und Langsamkeit übersetzt, die Beklemmung aufbauen und diesen Debütfilm so kostbar machen.

An diesem seinem eigenen atmosphärischen Unterdruck erstickt der Film letzten Endes auch. Irgendwann kommt der Punkt, wo es nicht mehr reicht, einfach immer weiter zu schweigen. Was empfindet Ronny? Wie tickt er? Man würde ja gern etwas nachvollziehen, aber da, wo man eine Motivation, ein Zentrum vermuten möchte, ist nichts. Steven Sperling, irgendwie unsichtbar gefesselt und geknebelt, hilft seiner Figur auch nicht weiter. Lebensangst, Isolation, Ausweglosigkeit, höchstens die Perspektive, sein Leben lang ein kleines Licht unter lauter kleinen Lichtern zu sein – all diese Motive oszillieren um einen Mittelpunkt, der ungreifbar bleibt. Welchen? Sagt er nicht. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

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