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Die Klasse von '99

D 2003. R,B: Marco Petry. K: Axel Block. S: Barbara von Weitershausen. M: Karma. P: Modesto Film. D: Matthias Schweighöfer, Tim Sander, Anna Bertheau, Axel Stein u.a.
94 Min. Constantin ab 30.10.03

Nach der Schule das Leben?

Von Sascha Seiler Axel Stein in einem ernsten Film? Heißt das nun, daß unser aller liebster Knallcharge sich nun dem Duktus des Method Acting unterwirft? Ganz so weit ist es glücklicherweise nicht gekommen, doch der Konflikt, der aus der Besetzung Steins, Matthias Schweighöfers oder gar des Gute Zeiten, Schlechte Zeiten-Mimen Tim Sander und einem ernst gemeinten Drehbuch entsteht, endet in Marco Petrys neuem Film fatal. Schule war ein großes Werk, weil Petry gerade nicht, wie ihm von kurzsichtigen Kritikern unterstellt wurde, von der American Pie-Welle profitieren wollte und die amerikanischen Teenie-Späße auf deutsche Verhältnisse übertrug, sondern etwas eigenes schuf: eine deutsche Teenie-Komödie, die unheimlich witzig war, gleichzeitig aber mit einer Melancholie aufwartete, die gerade jungen Menschen sehr bekannt vorkam. Hier war das Ende der Spaßgesellschaft Schule sichtbar, aber noch nicht vollzogen; der Ernst des Lebens schwebte als Geist über den Späßen und die Schauspieler, unter ihnen auch wieder Axel Stein, konnten befreit aufspielen. Ein großer Spaß und dennoch in seiner Einfachheit tieftraurig.

Als Petry ankündigte, eine Quasi-Fortsetzung drehen zu wollen, war die Freude groß: Endlich mal ein Sequel, das Sinn ergibt, denn in Schule ging es ja vor allem um einen Schlußstrich und einen Neuanfang. Und was vier Jahre später daraus geworden ist. Doch leider drehte Petry einen anderen Film. Das Dorf ist dasselbe, doch die handelnden Figuren haben sich geändert. Zwar gibt es einen Cameo von Daniel Brühl, der in Schule noch die Hauptrolle gespielt hatte. Dieser nutzt allerdings nur dazu zu erklären, warum die Charaktere plötzlich andere sind: »Wer ist das? Der war ja gar nicht auf unserer Schule…« Dummerweise wollte Petry trotzdem unbedingt mit Axel Stein drehen, also spielt jener einfach jemanden anderes. Jetzt ist Axel Stein nicht gerade ein Schauspieler, der bisher aufgrund seiner optischen Wandlungsfähigkeit aufgefallen wäre. Auch Dennis Moschitto, ein anderer Schule-Veteran, hat eine größere Rolle. Das verwirrt.

Düster soll die Gegenwart der Klasse von '99 aussehen, geprägt von der Trostlosigkeit des jungen Erwachsenenlebens. Doch was bei Gymnasiasten noch lustig und bewegend wirkt, ist bei 23jährigen nur noch banal. Und dann noch die peinliche Krimihandlung… Die Formel: »Der Dicke, der Kiffer, der Streber, der Aufreißer und der Melancholiker hängen rum« funktioniert einfach besser als »Der Polizist und sein Schulfreund, der jetzt Drogendealer ist und dem er die Freundin ausspannt, weil der andere ihm die gleiche Freundin ja auch ausgepannt hat, bevor er das Dorf verlassen hat und jetzt zurückkam, um…« Bitte nicht! 1970-01-01 01:00
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