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Kitchen Stories

Salmer fra kjøkkenet. N/S 2003. R,B: Bent Hamer. B: Jörgen Bergmark. K: Philip Øgaard. S: Pål Gengenbach. P: Bulbul Films, BOB Film. D: Joachim Calmeyer, Tomas Norström, Bjørn Floberg, Reine Brynolfsson u.a.
92 Min. Arsenal ab 5.2.04

Skurrile Annäherung

Von Frank Brenner Skandinavische Länder haben eine sehr geringe Bevölkerungsdichte – Norwegen beispielsweise hat gerade mal ein Siebzehntel der Einwohnerzahl pro Quadratkilometer von Deutschland. Gerade in den ländlichen Gebieten liegen dort oft Kilometer zwischen den einzelnen Häusern. Da liegt es nahe, daß alleinstehende Menschen unter diesen Umständen noch einsiedlerischer werden als in unseren anonymisierten Großstädten. Früher traf dies sicherlich noch mehr zu als heute. Von einem dieser Einsiedler handelt Kitchen Stories.

Es gab tatsächlich in der Nachkriegszeit ein schwedisches Institut zur Erforschung und Optimierung der Wege der Hausfrau in der Küche! Bent Hamers Film nutzt diese Ausgangssituation und erweitert sie um einige schräge Ideen. In den frühen 50er Jahren schickt hier ein ebensolches Institut eine Reihe von Beobachtern nach Norwegen, um seine Forschungsergebnisse um die Gewohnheiten älterer Junggesellen zu erweitern. Jedem Junggesellen wird dabei ein Beobachter zugeteilt, der dessen Aktivitäten von einem in der Küche aufgestellten Hochsitz aus protokollieren soll. Es herrscht absolutes Kommunikationsverbot, und die Beobachter dürfen auch nicht in die häuslichen Gewohnheiten der alleinstehenden Männer eingreifen. Daß diese Auflagen nicht gerade dazu beitragen, das Vertrauen der verhärmten Einsiedler zu gewinnen, versteht sich von selbst…

Hamer nimmt sich dieser unglaublich skurrilen Story mit der Einfühlsamkeit und dem Witz an, den seine liebenswert-charmanten Figuren verdient haben. Von den neun freiwilligen Versuchspersonen und ihren jeweiligen Beobachtern greift der Film repräsentativ ein Paar heraus, dessen langwierige und keineswegs unproblematische Annäherung er in ruhigen Szenen schildert, die stets mit einem Augenzwinkern dargeboten werden. Beide Personen fühlen sich in ihrer Rolle nicht wohl. Der Proband schikaniert den Forscher, indem er ihm nichts protokollierbares liefert – das Kochen wird ins Schlafzimmer verlagert, beim Verlassen der Küche trotz Anwesenheit des Beobachters das Licht gelöscht und der Beobachter seinerseits auf seinem Hochsitz heimlich beobachtet.

Hamer sagt in seinem Film, der eine überaus gelungene Mischung aus pointierter Komödie und bitter-realistischer Charakterstudie darstellt, eine ganze Menge über Menschen und ihre Verhaltensweisen aus. Er zeigt uns, wie sich aus einer anfänglichen Abneigung langsam eine tiefe Freundschaft entwickeln kann und fokussiert dabei sein Interesse stets auf seine Figuren und ihre bizarren Angewohnheiten. Wäre der Film in seiner Grundaussage nicht so tieftraurig und realitätsnah, dann könnte man an ihm und seinen verschrobenen Protagonisten richtig Spaß haben. 1970-01-01 01:00

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