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King Arthur

USA/IRL 2004. R: Antoine Fuqua. B: David Franzoni. K: Slawomir Idziak. S: Conrad Buff, Jamie Pearson. M: Hans Zimmer. P: Bruckheimer. D: Clive Owen, Keira Knightley, Ioan Gruffudd, Stephen Dillane, Stellan Skarsgard, Ray Winstone, Til Schweiger, Mads Mikkelsen u.a.
126 Min. Buena Vista ab 19.8.04

Montagsfilm

Von Oliver Baumgarten Für die Besprechung einer Jerry Bruckheimer-Produktion empfiehlt es sich dringlichst, seinen Text damit beginnen zu lassen, dem geneigten Leser mitzuteilen, daß es sich um eine Jerry Bruckheimer-Produktion handelt. Denn dadurch, daß der Leser von vorn herein weiß, daß es sich um eine Jerry Bruckheimer-Produktion handelt, kann seitens des Rezensenten getrost auf viel Geschreibsel verzichtet werden. So etwa auf die obligatorische Warnung vor dem schnell eintretenden Pathosalarm oder auf den hundertsten müden Witz über die vom Drehbuchautor pflichtbewußt kurz vor irgendeine entscheidende Schlacht eingestreute Sexszene des Helden, die der Regisseur dann in prüder »Wendy«-Romantik inszeniert und schamlos mit Schmuseklassik unterlegt – eben all diese für eine Jerry Bruckheimer-Produktion typischen Ingredienzen.

Und doch: Es ist schwierig all das unerwähnt zu lassen, denn sonst bliebe nicht allzu viel anderes, um einen Film wie King Arthur zu beschreiben. Basierend angeblich auf den historischen Wurzeln der Arthur-Legende stricken Training Day-Regisseur Antoine Fuqua und Gladiator- Autor David Franzoni ein buntes Filmgewand aus populären Grundmustern zusammen. Da ist zunächst die Ausgestaltung der Helden rund um Arthur, gespielt von Clive Owen. Mit stets perfekt sitzendem römisch gelockten Haupthaar wirkt Owen penetrant wie Luis Figo in einem Nike-Werbespot – daß der Heroe Angst und Schrecken verbreiten soll, glaubt der Zuschauer allerdings erst, nachdem dies zahllose Nebenfiguren immer wieder beteuert haben. Zu sehen ist es im Film so deutlich wie Figos legendäre spielerische Klasse bei der diesjährigen Fußball-EM. Vielmehr wirken Arthurs Ritter wie eine schlecht gecastete Boy Group ohne Dynamik oder Ausstrahlung. Einzig Ray Winstone, der schon Cold Mountain zu retten verstand, weiß seinen hünenhaften Recken gebührend auszugestalten und zeichnet ihn mit einer Persönlichkeit, die über das Kategorisieren von Gut und Böse hinausgeht. Daß er dadurch unter Arthurs Rittern einen Fremdkörper bildet, bleibt hier deshalb eindeutig ein Gütesiegel.

Weitere Elemente populärer Grundmuster finden sich etwa in der Szenenauflösung des Kameramannes Slawomir Idziak. In den Schlachtszenen von King Arthur wird geschwenkt und gerissen, was das Zeug hält – oft in Subjektive wechselnd und mit der Kamera immer mittendrin. Gemeinsam mit zahlreichen unterdrehten Einstellungen trifft Idziak damit die unverständlicher Weise so populär gewordene Gladiator-Ästhetik ziemlich exakt, die er selbst bereits bei Black Hawk Down zu assimilieren verstand und die doch einen erheblichen Nachteil hat: Man sieht nichts. Eine dieser Affekt-Ästhetik gegenläufige, weil mit Totalen arbeitenden Ästhetik haben etwa Caleb Deschanel (The Patriot), Andrew Lesnie (Lord of the Rings) und natürlich John Toll (Braveheart) perfektioniert mit dem unschätzbaren Vorteil für den Zuschauer, sich jederzeit im Filmraum orientieren zu können. Bei King Arthur ist das in den Schlachtszenen leider nicht der Fall – dafür bedienen sich Fuqua und Idziak beim Showdown geradezu einer Kopie desselben aus The Patriot. Hätten sie sich dort auch andere Auflösungen abgeschaut, hätte es dem Visuellen gut getan. Doch es gibt Szenen, in denen die Mühen des ehemaligen Kieslowski-Kameramannes um Atmosphäre aufgehen. Düstere Bilder, fallender Schnee, Dunst und schattige Szenerien bestimmen seine Welt des Mittelalters in jenen Szenen, die sich optisch abseits des Sandalenfilm-Kanons befinden. Unerklärlich ist es dann jedoch, wie Idziak immer wieder Lichtfehler unterlaufen können, so fallen etwa deutliche Schatten in Richtung Lichtquellen und zertrümmern mühevoll gebaute Stimmungen.

King Arthur also trachtet visuell und seitens der Charaktere nach bestehenden Erfolgsrezepten, während man sich auf der inhaltlichen Ebene mit Standards aus dem Bruckheimer-Repertoire auf der sicheren Seite wähnt. Arthur und seine wackeren Ritter sind Helden, die irgendwie keine sein wollen, aber pflichtbewußt ihren Weg gehen und ganz nebenbei England von den Sachsen und den Römern befreien. Dazu erobert Arthur nicht nur die Herzen der Engländer, sondern auch das einer Frau, in diesem Fall Keira Knightley, eine würdige Nachfolgerin von Liv Tyler im Bruckheimer-Kosmos.

King Arthur ist, so könnte man sagen, ein Markenprodukt. Ein gutes Markenprodukt muß halten, was es verspricht, es darf sich in seiner Vervielfältigung in den wesentlichen Elementen nicht voneinander unterscheiden, jeder muß wissen, was er bekommen wird. Wie bei einem Markenauto: Jedes Fahrzeug genügt den erwarteten Ansprüchen – es sei denn, es wurde montags hergestellt. King Arthur ist so etwas – ein Montagsfilm. 1970-01-01 01:00

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