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Kill Bill: Volume 1

USA 2003. R,B: Quentin Tarantino. K: Robert Richardson. S: Sally Menke. M: The RZA. P: A Band Apart. D: Uma Thurman, Lucy Liu, Vivica A. Fox, Michael Madsen u.a.
111 Min. Buena Vista ab 16.10.03

Geschnitten oder am Stück?

Von Daniel von Rosenberg Der Mann hat einen Ruf zu verlieren, und er scheint auf dem besten Weg dorthin. Mit nur zwei Filmen, Reservoir Dogs und Pulp Fiction, hat sich Quentin Tarantino zu Beginn des letzten Jahrzehnts in das Hirn einer Generation gefräst, wie das Stahlmantel-Geschoß aus der Waffe eines Amokläufers. Nun hat seine Pump-Gun Ladehemmungen, und ein Denkmal bekommt Risse. Denn statt sich neu zu erfinden oder aber den Rest seiner Tage mit Dosenbier, Big-Kahuna-Burgern und philippinischen Actionfilmen auf dem heimischen Sofa abzuhängen, sucht Tarantino nun die Filmtheater unseres Planeten mit Kill Bill: Volume 1 heim und schändet seine Reputation.

Das ideenlose Spätwerk entpuppt sich bereits nach wenigen Minuten als degenerierter und zutiefst neurotischer Egotrip eines vierzigjährigen Stubenhockers, dem zwei eitle Studiobosse das Taschengeld erhöht haben. Auf 55 Millionen Dollar. Als Gegenleistung liefert Popstar Tarantino seinen Miramax-Paten Bob und Harvey Weinstein ein pompös verpacktes, schlecht abgemischtes Best-Of-Album aus dem Schlachthof seiner Phantasie. Ein Massaker drittklassiger Film-Zitate, ohne Herz und vor allem ohne Substanz. Brutalität wird zum Selbstzweck. Qual wird gefeiert. Tod wird Pop-Art.

Kopfschüsse am Traualtar, Vergewaltigungen im Koma und eine Vendetta-Welt-Tournee im Flugzeug, die statt Bonus-Meilen mit tranchierten Armen, durchtrennten Achillessehnen und nie versiegenden, aus geschickt geöffneten Halsschlagadern vaporisierenden Blutnebeln prämiert wird.

Das ist es worauf die Welt gewartet hat: Eine Hommage an eines der überflüssigsten Genres der Filmgeschichte – das der asiatischen Martial-Art-B-Movies der Siebziger Jahre – das Lieblingsgenre des Kult-Regisseurs, der unlängst in einem Interview verkündete: »Ich möchte nicht einer dieser verdammten alten Typen werden, die ihren Sextrieb verloren haben.« und weiterhin großmäulig tönte: »Selbst wenn ich einmal privat keinen mehr hochkriegen sollte, werde ich es auf der Kinoleinwand immer noch schaffen.« Dolby-Surround schlägt Viagra.

Doch dieser, nach eigener Einschätzung, potente Kampfhahn, scheint längst einer Metamorphose zum lendenlahmen Kapaun zum Opfer gefallen zu sein. Denn ist es wirklich avantgardistisch, ein Drehbuch fast vollständig durch Kampfchoreographien zu ersetzen? Stellt das Aufbügeln von Bruce Lees ausrangierten, gelb-schwarzen Strampelanzügen alles bisher gesehene in den Schatten? Hat Genialität etwas mit dem Einspielen von Italo-Western-Scores zur Untermalung asiatischen Kampfgetümmels zu tun? Wer bei solch grandiosen Einfällen vor Ehrfurcht auf die Knie geht, wie so mancher Kritiker-Kollege, der verdient Kill Bill und zwar Volume 1 – 15. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

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