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Der Khan kehrt zurück

D 2003. R,B,S,K: Tom Meffert, Dagmar Diebels. K: Aarasch Dadfar Spanta, Souhail Taheri. M: Anouar Brahem, Daoud Sarkhosh. P: Zinnober Film.
72 Min. Zinnober ab 16.3.04

Heim aus dem Exil

Von Frank Brenner Gerade erst hat Siddiq Barmaks Film Osama, der erste, der nach dem Sturz des Taliban-Regimes in Afghanistan gedreht wurde, seine Erstaufführung in den deutschen Kinos erlebt. Barmaks Blick war eng auf die Zeit während der Terrorherrschaft konzentriert und sparte das, was danach kam, vollkommen aus. Nun haben die Aachener Filmemacher Tom Meffert und Dagmar Diebels mit ihrer Dokumentation Der Khan kehrt zurück das Afghanistan nach dem Krieg eingefangen, auf eine sehr persönliche und doch informative Weise.

Sie begleiteten Rangin Dadfar Spanta, der seit 25 Jahren im Exil in Deutschland lebt, auf seiner Reise zurück in sein Geburtsland, wo er seine Familie wiedersehen wollte und gleichzeitig in Erfahrung zu bringen versuchte, ob er in diesem Land jetzt seinen Traum verwirklichen kann. Der promovierte Politikwissenschaftler lehrt seit Jahren in Aachen und würde nun gerne an der Universität von Kabul demokratische Grundsätze vermitteln.

Die ersten Bilder Rangins in Herat und seinem Heimatdorf Karokh haben einen sehr privaten Charakter, weil sie die ersten Begegnungen zwischen Verwandten zeigen, die sich mehr als zwanzig Jahre nicht mehr gesehen haben. Aber als ältestem Sohn des Großkhans vom Stamm der Taheri kommt Rangin noch eine andere Funktion zu, die der Film in den folgenden Szenen einfängt.

Der Khan hat in der afghanischen Gesellschaft eine Art Leitfunktion, die zumindest früher politischen Ämtern übergeordnet war und auch heute noch vielen Menschen wichtig ist. Rangin selbst stellt die Institution dieses Khans, eines vererbten Titels, nicht nur in Frage, sondern sieht darin auch einen der Gründe für die Rückständigkeit Afghanistans. Trotzdem erkennt er in ihr auch die positiven Aspekte der Solidarität und des gemeinsamen Lebens.

Meffert und Diebels gelingt es mit Der Khan kehrt zurück, Momentaufnahmen einer neuerlichen Stunde Null des Landes Afghanistan festzuhalten. Sie zeigen uns ein durch jahrelange kriegerische Auseinandersetzungen zerstörtes Land und dessen Menschen, die Hoffnung schöpfen, aber noch einen weiten Weg vor sich haben, bis eingefahrene Gesellschaftsbilder überwunden sind. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

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