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Kalmans Geheimnis

Left Luggage. NL/B/USA 1997. R: Jeroen Krabbé. B: Edwin de Vries. K: Walter van den Ende. S: Edgar Burcksen. M: Henny Vrienten. P: Favourite Films u.a. D: Isabella Rossellini, Laura Fraser, Jeroen Krabbé, Maximilian Schell, Marianne Sägebrecht u.a.
93 Min. Buena Vista ab 12.8.99
Von Ralf Möller Jeroen Krabbé lacht gerne und zumeist recht laut. Zu sehen und hören auf der diesjährigen Berlinale, wo er als Jury-Mitglied fungierte. Vor allem hatte er an Mifune, dem dritten Dogma-Film, einen Heidenspaß. Ein Jahr zuvor hatte Krabbé sich selbst der Jury und den Kritikern gestellt, als er mit Kalmans Geheimnis sein Regiedebüt vorlegte. Ein Film, der uns in die Welt der chassidischen Juden im Antwerpen der 70er Jahre entführt. Wir sehen dieses unbekannte Milieu durch die Augen von Chaja. Für die junge jüdische Philosophie-Studentin sind die religiösen Vorstellungen und der Lebensstil ihrer orthodoxen Glaubensgenossen Neuland. Doch der Job als Kindermädchen bei der chassidischen Familie Kalman läßt sie mehr über ihre eigene jüdische Identität nachdenken.

Krabbés Film ist gleichzeitig ein Stück Holocaust-Bewältigung und zwar in Gestalt von Chajas Eltern. Beide haben das Konzentrationslager überlebt, aber immer noch Schwierigkeiten, die Greuel zu verarbeiten. Eine alte Geschichte um zwei Koffer läßt alles noch einmal hochkommen: So ist Chaja zwischen drei Welten gefangen. Ihrem freien Studentenleben, den in der Tradition erstarrten orthodoxen Juden und ihren an der grausamen Vergangenheit darbenden Eltern. Diese Themenkomplexe hält Krabbé durch seine unaufdringliche Regie hervorragend zusammen.

Gleichzeitig bezieht der Film seine zusätzliche Stärke durch das akzentuierte, präzise Spiel der Darsteller. Krabbé gibt ihnen den Raum, den sie brauchen, um die Figuren mit Leben zu füllen. Ferner besitzt der Film eine seltsame Ambivalenz zwischen Traurigkeit und Hoffnung. So gibt ein altes jiddisches Sprichwort ganz gut die Stimmung des Filmes wieder: Lachen kommt von selbst – weinen auch. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #15.
© 2012, Schnitt Online

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