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Kaliber Deluxe

D/A 1999. R,B: Thomas Roth. B: Robert Teichler, Martin Daniel. K: Helmut Pirnat. S: Evi Romen. P: DOR Film, DOR Film West, Kinowelt. D: Marek Harloff, Jürgen Hentsch, Annelise Hesme, Dieter Pfaff, Jürgen Tarrach, Frank Giering, Herbert Fritsch, Bela B. Felsenheimer u.a.
107 Min. Kinowelt ab 2.3.00

Oberflächliches Niemandsland

Von Thomas Waitz »Motion control« gleich zu Beginn: eine ausgeklügelte, perfekt stilisierte Kamerafahrt, entlang an allerhand Gegenständen, bedeutsamen wie unbedeutsamen. Supermakro, wenige Millimeter Brennweite nur, übergenau austarierte Schärfe. Ein Handy, kaderfüllend in Scope. Die Titel sind noch nicht zuende und auf eine seltsam-vertraute Art nimmt der Vorspann gefangen: Die Bilder faszinieren, aber es ist eine Faszination der glatten, geschmäcklerischen Oberfläche, unter der nichts durchscheint, und die symptomatisch für einen Film ist, der vieles antastet, und sich auf nichts wirklich einläßt.

Thomas Roth hat mit Kaliber Deluxe einen humorfreien, bisweilen unnötig brutalen, gutaussehenden Film gemacht, der wohl ein spannender Thriller mit Anleihen bei der Gaunerkomödie werden sollte und doch in einem unbestimmten, gleichwohl »hippen« Niemandsland gelandet ist. Ein Niemandsland, das dem Anschein nach Österreich sein könnte, in dem aber das gesamte Personal sauberes Bühnenhochdeutsch spricht. Ein Niemandsland, in dem den jugendlichen Darstellern ein Sprachduktus zugemutet wird, der nur den Schluß zuläßt, daß die Drehbuchentwicklung sich bereits in einem sehr frühen Stadium auf die Handlungsebene beschränkt haben muß. Die immerhin ist kompliziert genug, als daß sie sich nur über die Dialoge vorantreiben läßt. Und so wird unaufhörlich gesprochen, meist am Telefon, denn das ist so etwas wie der Witz von Kaliber Deluxe: die Fallstricke der Telekommunikation. Daß die Geräte hin und wieder auch klingeln, bisweilen im ungünstigsten Moment, ist freilich ein sehr absehbarer Witz.

Thomas Roth lehnt sich an viele Vorbilder an: An Tempo! etwa, Stefan Rutzowitzkys freche und formal frische Initiationsgeschichte über einen Fahrradkurier in Wien, die der Film dann auch in einer sehr knappen Einstellung zitiert. Ein anderes Vorbild sei, so der Regisseur, durchaus ein Film wie Fargo, und diese Aussage ist im Grunde so vermessen wie peinlich, daß sie besser verschwiegen gehört. Es eint und verbindet die beiden Werke das Setting »verschneite Landschaft«, doch da hören die Gemeinsamkeiten auch schon auf. Das, was Fargo auszeichnet, ein genaues, an der Situation entwickeltes Hinsehen, ein Interesse an den Menschen, das läßt Roths Film schmerzlich vermissen: Seine Figuren bleiben trotz des ausgezeichneten Casts mit Schauspielern wie Jürgen Hentsch und Frank Giering leblos. Kaliber Deluxe ist ein Film, der bei aller Beredsamkeit sehr wenig mitzuteilen hat, aber sehr viel aussagt über die Umstände seines Entstehens: Die Bedingungen internationaler Koproduktionen. Die Mittelmäßigkeit zu vieler Kompromisse, die ein enorm angestiegener TV-Programmbedarf hervorbringt. Und eine Coolness vom Reißbrett, die es scheinbar braucht, »Medienpartner« wie MTV ins Boot zu holen. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

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