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Julietta

D 2001. R,B: Christoph Stark. B: Jochen Bitzer. K: Jochen Stäblein. S: Sandy Saffeels. M: Ballistic Affair. P: teamWorx, Central. D: Lavinia Wilson, Matthias Koeberlin, Barnaby Metschurat, Anne Ratte-Polle, Sibylle Canonica, Uwe Kokisch, Wotan Wilke Möhring u.a.
95 Min. teamWorx ab 6.9.01

Zwischen Authentizität und Synthetik

Von Carsten Happe Julietta trägt diesen Namen nicht von ungefähr, denn Julietta ist in eine Dreiecksgeschichte verstrickt. Und wie alle Dreiecksgeschichten des Kinos muß sich Julietta mit der Erinnerung an Truffauts Jules & Jim messen – so ist der Titel zumindest eine kleine Hommage. Julietta basiert zudem auf Motiven aus Heinrich von Kleists »Marquise von O«; diese Tatsache wird allerdings erst im Abspann kundgegeben, schließlich soll das Zielpublikum nicht vergrault werden.

Doch in Zeiten, da jede zweite High School-Komödie auf Shakespeare fußt, wieso nicht mal ein Raver-Kleist? Das Zielpublikum darf sich dann auch in den ersten zehn Minuten selbst betrachten, der Film beginnt auf der Love Parade und wartet mit den obligaten Bildern auf – zappelnde Kids, Ecstasy-Trips und Pinkeln in den Tiergarten. Und mittendrin Julietta, 18jähriges Girlie aus der ach so miefigen Provinz Stuttgart. Ein Pillchen zum Glücklichmachen, ein hektischer Quickie mit ihrem flippigen Freund im Fotofix – so sind sie, die jungen Dinger, würde Harald Schmidt entgegnen. Dumm nur, daß the drugs don't work und Julietta vom schlechten Trip das Bewußtsein verliert. Doch ihr Retter naht, bringt sie in Sicherheit und – schläft mit der ohnmächtigen Julietta. So sind wiederum die jungen Kerle, sagt der Film – immer auf der Suche nach der unkomplizierten Nummer. Vertrackt wird's erst, als Julietta merkt, daß sie schwanger ist.

Und spätestens ab hier will der Film zuviel. Das Lebensgefühl einer Generation im Partyrausch einfangen, den Konflikt der Generationen thematisieren – Julietta verläßt die ohnehin schon entzweite familiäre Einheit – die Emanzipation einer unverstandenen Jugendlichen ausbreiten – der Film übernimmt sich und strauchelt auf halbem Weg. Analog dazu die Bilder, immer ein bißchen zu chic, eine Spur zu glatt – ein Film in der Klemme zwischen Authentizität und Synthetik. Dabei zeigt Debütregisseur Christoph Stark doch mitunter, wie es gehen könnte: Eine eigentlich ziemlich abgenutzte Lichtmetapher bringt für wenige Minuten neuen Glanz in die Geschichte, wunderbar reduziert und doch so wirkungsvoll.

Das Casting schließlich komplettiert das Dilemma von Julietta: Der Film verfügt mit Lavinia Wilson über eine entwaffnend natürliche Hauptdarstellerin, ihre männlichen Gegenparts Matthias Koeberlin und Barnaby Metschurat sind dagegen zwei Totalausfälle. Somit ist zumindest Juliettas finale Entscheidung ein Schritt in die richtige Richtung, den deutschen Jugendfilm bringt dieses Werk indes keinen Deut weiter. 1970-01-01 01:00
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