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John Carpenter's Ghosts of Mars

USA 2001. R,B,M: John Carpenter. B: Larry Sulkis. K: Gary B. Kibbe. S: Paul Warschilka. P: Storm King. D: Natasha Henstridge, Ice Cube, Jason Statham, Pam Grier, Joanna Cassidy, Robert Carradine u.a.
98 Min. Columbia ab 18.10.01
Von Sascha Seiler Seit seinem Erstling Dark Star verfolgt John Carpenter rigoros sein Ziel, Filme als Gesamtkunstwerke zu konzipieren und dabei mit allen nur erdenklichen Tricks die Hindernisse, die sich aus den niedrigen Budgets ergeben, durch eine sehr individuelle Vorstellung von Originalität auszugleichen. Dies reicht von seinen doch durchaus gewöhnungsbedürftigen selbstkomponierten Scores über das Ausgraben abgemeldeter Schauspieler bis hin zu oft sehr rudimentären Drehbüchern und Kulissen. Doch gerade jene Note der Imperfektion, die sich wie ein roter Faden durch seine Horrorfilme zieht, macht ihn zu einem der ausdauerndsten Autoren Hollywoods, der unbeirrbar trotz Kritikerhäme seinen Weg verfolgt.

Auch Ghosts of Mars ist wieder ein klassischer Carpenter-Streifen: Man hört die ersten langsam ansteigenden Stakkato-Akkorde und befindet sich direkt in Gesellschaft hölzern agierender Protagonisten inmitten schlecht gemalter Kulissen. Das Böse kommt, wie in The Fog, aus dem Nebel, die Bösewichte sind brutal, sehen aus wie Marilyn Manson und haben, wie in In the Mouth of Madness, eine fatale Neigung zur Selbstverstümmelung. Die Kampfszenen zwischen schäbigen Ruinen wiederum erinnern wahlweise an Escape from New York oder Escape from L.A..

Doch es ist gerade dieser Hang zum stets wiederkehrenden Selbstzitat, der beinahe jeden Carpenter-Film auch zu einem Statement nicht zu bändigendem Individualismus macht, zu einer Verteidigung eines selbstdefinierten Terrains, auf dem der Regisseur jedesmal aufs neue seinen Platz zu behaupten versucht. Anders als Wes Craven, sein großer Kontrahent der 80er Jahre, schafft es Carpenter immer wieder, das Selbstzitat nicht resignierend als postmoderne ironische Nuance zu verkaufen, sondern es zum Stilmittel zu erheben, das ohne entschuldigendes Augenzwinkern auskommt. Der Mut, diese Position innerhalb eines Genres wie dem Horrorfilm über fast drei Jahrzehnte zu verteidigen, macht Ghosts of Mars zu einem weiteren sehenswerten Film im Gesamtœuvre eines Regisseurs, der nicht aufhören will, der Menschheit seine cineastischen Visionen näherzubringen. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #24.
© 2012, Schnitt Online

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