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Jane Eyre

GB/F/I/USA 1996. R,B: Franco Zeffirelli. B: Hugh Whitemore. K: David Watkins. S: Richard Marden. M: Allessio Vlad, Claudio Capponi. D: Charlotte Gainsbourg, William Hurt, Anna Paquin, Maria Schneider, Elle MacPherson u.a.
113 Min. NIL Film ab 30.1.97
Von Ralf Möller Franco Zeffirelli scheint einen Hang zur englischen Literatur zu besitzen. Nach seinen Shakespeareverfilmungen The Taming of the Shrew, Romeo and Juliet und zuletzt Hamlet hat sich der Italiener nun des wohl bekanntesten Romans der ältesten Brontë-Schwester Charlotte angenommen.

Die Geschichte spielt in England Anfang des 19. Jahrhunderts. Die junge Waise Jane Eyre (Anna Paquin) wird von ihrer gefühllosen Tante in ein strenges Internat geschickt. Dort übersteht sie die schweren und schmerzlichen Jahre nur dank ihres starken Willens. Als junge Frau (Charlotte Gainsbourg) verläßt sie diesen düsteren Ort und findet auf dem Gut Thornfield Hall eine Anstellung als Gouvernante für Adele, dem Mündel von Edward Rochester (William Hurt). Zwischen dem schon etwas älteren und geheimnisvollen Rochester und der zwar etwas unscheinbaren, aber scharfsinnigen Jane entwickelt sich langsam aber sicher eine gewisse Anziehung. Doch beide werden von ihrer Vergangenheit eingeholt und ihre Liebe auf eine harte Probe gestellt.

Wie schon in Hamlet verzichtet Zeffirelli auf bunte Kostüme und schwelgerische Ausstattung. Ganz der gothic romance seiner Vorlage verpflichtet, folgen er und sein Kameramann David Wilkins der Devise »the shadows are as important as the light«. Eine Definition, die Jane im Film auch Rochester im Bezug auf ihre Bilder und Zeichnungen gibt. Licht und Schatten geben in Jane Eyre die Stimmung des Films wieder. Von dem düsteren Internat – ein Ort der Grausamkeit und des Schreckens – hin zu den hellen Innenräumen von Thornfield Hall – ein Platz der Zuflucht für Jane. Doch auch dort bleiben die Schatten präsent, birgt das Anwesen freilich ein scheußliches Geheimnis.

Jane Eyre ist aber auch exzellentes Schauspielerkino. Allen voran zeigt Anna Paquin als die junge Jane, daß sie zu mehr in der Lage ist, als den Zuschauer in Gestalt einer altklugen Göre in The Piano zu nerven. William Hurt spielt souverän den anständigen, aber auch rätselhaften Rochester. Und Charlotte Gainsbourg mit ihren dunklen traurigen Augen ist aufregender und interessanter als Nicole Kidman mit ihrem hilfesuchenden Blick in Portrait of a Lady, Jane Campions mißlungenem Versuch, einen Henry-James-Roman im Stil von Martin Scorsese zu verfilmen. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #05.
© 2012, Schnitt Online

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