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Jalla! Jalla!

S 2000. R,B,D: Josef Fares. K: Aril Wretblad. S: Andreas Jonsson, Michal Leszczylowski. M: Daniel Lemma. P: Film i Väst. D: Torkel Petersson, Tuva Novotny, Laleh Pourkarim u.a.
88 Min. Kinowelt ab 7.3.02
Von Dietrich Brüggemann Ein junger Mann in Schweden, der seinen Lebensunterhalt damit verdient, in öffentlichen Parks den Dreck anderer Leute einzusammeln, hat plötzlich das Problem, daß sein Zentralorgan im Bett den Dienst versagt. Sein libanesischer Freund muß sich währenddessen gegen die geballte Macht seiner Großfamilie zur Wehr setzen, die die passende Frau für ihn ausgesucht hat und ihn verheiraten will.

Das klingt wie der Anfang einer grausamen Reihe von platten Dummheiten. Ist es aber nicht. Wer schon so eine Art schwedischen Ballermann 6 erwartet hat, wird aufs angenehmste enttäuscht, denn Jalla! Jalla! ist trotz der handfesten Tatsachen, aus denen er seine Komik bezieht, ein klischeefreies und gelungenes Beziehungsspiel. Roro, der Libanese, läßt sich aus lauter Gutmütigkeit auf eine Scheinehe ein, weil das Mädchen sonst zurück in den Libanon müßte. Nur seine schwedische Freundin soll nichts davon erfahren. Tut sie dann natürlich doch und ist tödlich gekränkt. Måns, der Schwede mit den Potenzproblemen, stürzt in ein tiefes Tal aus Verzweiflung, hat eine Begegnung mit einer Bulldogge und ihrem rauflustigen Besitzer, sieht seine Freundin in der Ferne verschwinden und ist erst mal unglücklich.

Das ist zwar teilweise vorhersehbar, zum Teil hat man es auch schon einmal gesehen. Die Sache mit der Zwangsverheiratung war beispielsweise in East Is East bei aller Komik mit viel mehr Schärfe behandelt, witzige Eskapaden in Sex-Shops gab es auch schon mehr als einmal, und wer sich am Ende in wen verliebt, ist auch bald klar. Trotzdem hat der Film uns auf seiner Seite, denn er nimmt seine Figuren wirklich ernst. Er läßt ihnen ihr Leben, wir lachen mit ihnen und freuen uns für sie. Ein Schwachpunkt ist sicher Måns' erste Freundin, die nie wirklich an Kontur gewinnt und irgendwann einfach verschwindet. Doch dafür gibt es am Ende eine lustige Massenschlägerei.

Man hat es nicht mehr für möglich gehalten, aber hier ist sie: die intelligente und durchdachte Beziehungskommödie. Das hat sicher etwas mit dem Produzenten zu tun, der heißt Lukas Moodysson und hat den grandiosen Zusammen! gemacht. Jalla! Jalla! reicht da nicht ganz heran, ist aber immer noch gut genug, um sehenswert zu sein. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #23.

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