— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Jack

USA 1996. R: Francis Ford Coppola. B: James De Monaco, Gary Nadeau. K: John Toll. S: Barry Malkin. M: Linda Phillips Palo. D: Robin Williams, Diane Lane, Bill Cosby, Jennifer Lopez, Fran Drescher u.a.
113 Min. Buena Vista ab 5.6.97
Von Markus Fritsch Das Leben ist ein greller bunter Stern, der schnell zu verglühen droht. Unter diesem karnevalesken Motto beginnt Jacks Leben, der während einer Karnevalsparty als Frühgeburt zur Welt kommt. Der absurde, feucht-fröhliche Lebensbeginn im Kreißsaal hat nur einen Haken: Jack hat eine genetische Fehlprogrammierung, seine Zellteilungsrate ist viermal höher als die normaler Babys.

Im irdischen Alter von zehn Jahren wird Jack somit die Physis eines Vierzigjährigen besitzen, und die Schule wird er mit dem Körper eines Siebzigjährigen beenden. Die Ausgangsbedingungen für eine Tragikomödie mit absurdem Einschlag sind zuerst von der Story her nicht schlecht – dazu in der Rolle des Jack Grimassenkönig Robin Williams und als Lehrer an seiner Seite Bill Cosby – die Umsetzung einer außergewöhnlichen Lebensperspektive als dramaturgisches Konzept ist jedoch nur zum Teil gelungen.

Coppola wollte sich zur Erzeugung einer surrealen Grundstimmung an Filmen wie Antonionis Die rote Wüste orientieren, um dadurch den Eindruck einer fremden Realität zu erzeugen. Jedoch greift Coppola zu oft auf die Zwangsjacke der konventionellen Erzählperspektive zurück. Ein paar schnell ziehende Wolken, ein bißchen subjektive Kamera und ein paar Aufnahmen im Zeitraffer reichen noch nicht aus, um den Zuschauer in eine fremde Welt zu entführen.

An manchen Stellen deutet der Film an, welches Potential hätte entfaltet werden können, wenn Coppola Jacks subjektiver Perspektive mehr Raum gegeben hätte. Es sind Momente, in denen Coppolas Sinn für das Absurde und Williams' komisches Talent sich ergänzen – Slapstick ohne sozialromantischen Hintergrund und aus Jacks Sicht ins Absurde verfremdet.

Als Metapher für Jacks beschleunigtes Leben dient die durch einen Zeitraffer gefilmte Metamorphose eines Schmetterlings, der an seinem Fenster auftaucht und stirbt. An diesem Punkt hätte Coppola noch die Chance gehabt, gemeinsam mit Cocteau in eine märchenhafte Realität abzutauchen. Durch eine stärkere Verfremdung hätte aus Jack so etwas wie ein neuer Edward mit den Scherenhänden werden können – ein Märchen für Erwachsene und Kinder.

Nur leider erinnert Jack von seiner inszenierten Gefühlsromantik eher an sozial verkitschte Filme wie Rain Man oder Am achten Tag, die sich in ihrer oberflächlichen Normalität zu wichtig nehmen und ziemlich aufdringlich wirken.

Jack bleibt trotz des Staraufgebots weit hinter seinen angedeuteten Möglichkeiten zurück. Ein bißchen Verrücktsein, ein bißchen Komik und Kitsch – Jack hat für jeden etwas und doch von einem zu wenig: von glaubwürdiger Tiefe. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #06.
© 2012, Schnitt Online

Sitemap